Das Pilotprojekt 2017

2017 startete der BUND Region Hannover in Kooperation mit dem Kleingartenverein Vereinigte Steintormasch UNIVERSUM KLEINGARTEN als Pilotprojekt, das von der Niedersächsischen Bingo Umweltstiftung gefördert wurde. Ziel war und ist die Ökologisierung der Kleingärten und die Rückbesinnung auf ihre ursprüngliche Konzeption mit der Drittelung der Fläche: Ein Drittel soll wieder für den Anbau von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf genutzt werden, die anderen für Erholung und als Ziergarten. Dazu wurde ein reproduzierbares Basispaket mit Vorträgen, Workshops und anderen Veranstaltungsformaten zu ausgewählten Schwerpunktthemen erarbeitet, das in den folgenden Jahren auch in weiteren Kleingartenvereinen angeboten werden soll.

Die Schwerpunkte im Einzelnen:

  • Reaktivierung des Gemüseanbaus unter Berücksichtigung der Sortenvielfalt und der Verwertung von Obst, insbesondere Äpfeln.
  • Förderung des organischen Kreislaufs im Kleingarten durch stetiges Mulchen und gezielte Kompostierung. Anwendung von Verfahren der Biologischen Pflanzenstärkung und Schädlingsabwehr statt Chemieeinsatz im Kleingarten.
  • Schulung von Fachberaterinnen und Fachberatern sowie interessierten Vorstands- und Vereinsmitgliedern.
  • Vernetzung von Kleingärtner*innen sowie Motivierung, vorhandenes und erworbenes Wissen im Verein weiterzugeben.

Für das Pilotprojekt wurden 34 Gärtner*innen aus allen fünf Kolonnien des Vereins Vereinigte Steintormasch gewonnen, auch Anfänger*innen, die in ihren Gärten die genannten Ziele beispielhaft umsetzten. Theoretisches Rüstzeug erhielten sie von März bis Mai 2017 bei Vorträgen zu den Themen Jahresanbauplan, Grundlagen Gemüseanbau, Folge- und Mischkultur, Boden und Bodenbearbeitung, Gründüngung, Mulchen, Pflanzenkohle-Kompost mit der Terra-Preta-Methode sowie biologische Pflanzenstärkung und Schädlingsabwehr im Nutzgarten.

Im März hat das BUND-Team Saatgut von Gemüsepflanzen sowie schnell wachsenden Gründünger wie Phacelia, Buchweizen, Inkarnatklee, Perserklee und Lein ausgegeben, der den Boden verbessert und als Vor- oder Nachkultur gut geeignet ist. Im April 2017 besuchte das BUND-Team jeden Teilnehmer*innen-Garten zur Bestandsaufnahme und Beratung zu geeigneten Anbaumethoden. Als Voraussetzung für gesundes Gemüsewachstum wurde gemessen, ob der Boden einen ausgeglichenen pH-Wert hat, also nicht zu sauer ist. Das Ergebnis hat viele überrascht: die meisten Messungen ergaben zu niedrige pH-Werte, nicht zuletzt weil hier früher zahlreiche Nadelbäume und Koniferen wuchsen, die den Boden versauern. Mit Kalk- und Kompostgaben wurde Abhilfe geschaffen. Viele Gärtner|nnen entschieden sich, für den Gemüseanbau rückenfreundliche Hochbeete zu bauen. Hier geht’s zur Fotostrecke der HAZ.

Zwischen April und Juni erhielten die Gärtner*innen mehrfach Gemüse- und Blühpflanzen mit essbaren Blüten, die von der Gemeinschaftsgärtnerei Acker Pella e.V. vorgezogen wurden sowie alte Tomatensorten, die der BUND gemeinsam mit der Gärtnerei Nötel in Jeinsen seit vielen Jahren erhält. Im Anschluss fanden Workshops wie Herstellung von Pflanzenkohle-Kompost-Ansatz, Hochbeetbau, Gemüsebeet- bzw. Tomatenpflege und Vorstellung geeigneter Gartengeräte statt. Alle waren begeistert bei der Sache!

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Im Juni beteiligte sich das BUND-Team an der 70-Jahrfeier Steintormasch mit einem Workshop zum Thema Bodenleben für Kinder und Erwachsene sowie einer Schnippelparty, bei der Projektgärtner*innen Salate mit selbstgerntetem Salat, Gemüse, Blüten und Kräutern zubereiteten.
Im Juli und August besuchte das BUND-Team die Projektgärten erneut und erlebte eine beeindruckende Vielfalt an Anbaumethoden: von der Vierbeet-Methode, über Reihen-Mischkultur, Squarefoot-Beet, Milpa-Indianerbeet bis hin zu phantasievollen eigenen Lösungen. Insbesondere die Anfänger*innen unter den Gärtner*innen berichteten begeistert von ihren Ernteerfolgen, die sie so gar nicht erwartet hatten.
Hier geht’s zum Artikel der Neuen Presse.

Foto: luminar
Fotos: BUND

Das Projekt präsentierte sich vom 15. September bis 15. Oktober bei der Aktion Urban Gardening vor dem Hauptbahnhof Hannover. Wir danken der Agentur luminar für die Unterstützung unseres Auftritts.

Als Ergänzung zum Gemüseanbau hat der Verein Steintormasch mit einer Teilförderung durch Projektmittel eine Apfelpresse zur Verwertung von Äpfeln in den Kolonien erworben. Dazu gab es im September und Oktober zwei Presstermine, bei denen die Anlieferer ihre Äpfel im Anschluss als Saft in praktischen Mehrliterkartons wieder mitgenommen haben.

Die 34 Projektgärtner*innen wurden das ganze Jahr über bis hin zur Ernte bzw. der Aussaat von Zwischenfrüchten oder Folgekulturen nach der Ernte durch den BUND begleitet. Im Gegenzug kooperierten viele von ihnen bei der Auswertung und Dokumentation des Projekts mit Interviews und Fotos ihrer Tätigkeiten.

BUND-Projektteam 2017:
Andrea Preißler-Abou El Fadil, Jan Heeren, Sibylle Maurer-Wohlatz



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