Stellungnahme des BUND und NABU zum Testfeld Windenergie in Sehnde-Dolgen

19.12.2012 Die Region Hannover plant, für ein "Testfeld Windenergie" im Stadtgebiet von Sehnde einen Vorrangstandort für Windenergienutzung in das Regionale Raumordnungsprogramm 2005 (RROP 2005) aufzunehmen und hat mit Bekanntmachung der allgemeinen Planungsabsichten das Verfahren zur RROP-Änderung eingeleitet. Vorgesehen ist hier, auf zwei ausgewiesenen Potenzialflächen von 218 ha neben unterschiedlichen Prototypen von Neuentwicklungen und verschiedenen Turmkonstruktionen auch Technologien zur weiteren Umwandlung und Speicherung von Windstrom zu entwickeln und zu erproben und zusätzlich eine konventionelle Windfarm zu errichten. Die Naturschutzverbände NABU und BUND haben in diesem Rahmen eine gemeinsame Stellungnahme verfasst, die mit gleichlautenden Schreiben in das Verfahren eingebracht wurden.

Wir unterstützen den Ausbau der Windenergienutzung. Wegen der erheblichen Konflikte mit dem Schutz von Natur und Landschaft ist es aber sehr wichtig, hierfür möglichst konfliktarme Standorte zu wählen. Diese Voraussetzung ist hier jedoch in keiner Weise gegeben.

Unmittelbar angrenzend zu den Potenzialflächen befinden sich die europäischen Schutzgebiete (FFH-Gebiete) "Hämeler Wald" und "Hahnenkamp" sowie die für die Vernetzung der Schutzgebiete wichtige Billerbach- und Aueniederung. Im FFH-Gebiet Hämeler Wald gibt es bedeutende Vorkommen von Großvogelarten, für die ein hohes Risiko vorliegt, bei Kollisionen mit Windenergieanlagen getötet zu werden. Hervorzuheben sind Rotmilan, Schwarzmilan, Wespenbussard, Habicht, Mäusebussard, Baumfalke, Turmfalke und Waldohreule. Auch Schwarzstorch und Kranich werden vermehrt beobachtet. Auf der Potenzialfläche selbst besteht Brutverdacht für die Rohrweihe. Stark gefährdet würden zudem die Fledermausvorkommen im FFH-Gebiet Hämeler Wald. Besonders fatal ist, dass für das Testfeld ein Bereich gewählt wurde, der halbkreisförmig von wertvollen Lebensräumen umschlossen ist, so dass die Vögel und Fledermäuse auf den Wegen zu den Nahrungslebensräumen diesen Raum überqueren.

Bei der Wahl der Potenzialfläche sind die empfohlenen Mindestabstände nicht beachtet werden. Dass fachlich begründete Abstandsempfehlungen als Orientierungswerte für die Planung zu beachten sind, wird auch in der Rechtsprechung in verschiedenen Entscheidungen bestätigt. Nach den Empfehlungen des Niedersächsischen Landkreistags, die wiederum auf Empfehlungen des Bundesamtes für Naturschutz basieren, sind zwischen Windenergieanlagen und bedeutenden Brutvogellebensräumen Mindestabstände von 1200 m einzuhalten. Freizuhalten sind auch die Nahrungslebensräume sowie die Flugwege zwischen den Brutplätzen und  den Nahrungslebensräumen. Erhebliche Teile der Potenzialfläche befinden sich aber in diesen Bereichen. Auch wenn die Potenzialfläche wohl größer gewählt wurde als die voraussichtlich benötigte Fläche, wäre das Vorhaben hier bei Einhaltung der Mindestabstände nicht zu verwirklichen.

Die Potenzialfläche liegt außerdem im Bereich eines bedeutsamen Flugkorridors für arktische Gänsearten wie Bläss- und Saatgänse sowie für Kraniche. In den Zugzeiten im Frühling und Herbst ziehen Tausende Vögel hier durch. Wiederholt wurden zudem Trupps von bis 100 rastenden Kranichen in der Aueniederung beobachtet. Daher besteht hier eine erhebliche Gefährdung für Zugvögel und auch für ziehende Fledermäuse.

Aus Sicht des Landschaftsschutzes handelt es sich beim nördlichen Teil der Potenzialfläche um einen für die Lebensraumvernetzung wichtigen und noch relativ wenig vorbelasteten Bereich. Eine Festlegung als Vorsorgegebiet für Natur und Landschaft drängt sich hier auf und wird hiermit von uns vorgeschlagen.

Insgesamt ist festzustellen, dass für den geplanten Vorrangstandort für Windenergienutzung ein Bereich gewählt werden soll, der nach anerkannten naturschutzfachlichen Empfehlungen von vornherein als Ausschlussfläche gewertet werden müsste. Völlig unverständlich ist darüber hinaus, dass Standortalternativen ausdrücklich nicht geprüft werden sollen.

Wir haben Verwaltung und Fraktionen der Region deshalb aufgefordert, das RROP-Änderungsverfahren nicht weiterzuführen.

Die Stellungnahme des BUND zum Testfeld Windenergie in Sehnde-Dolgen ist hier als pdf. zum Download.

Neodym in Windrädern - PM des Nds. Ministers für Umwelt, Energie und Klimaschutz

24.11.2016 Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel hat namens der Landesregierung auf eine mündliche Anfrage der Abgeordneten Dr. Gero Hocker, Almuth von Below-Neufeldt, Christian Grascha, Horst Kortlang, Dr. Marco Genthe und Hermann Grupe (FDP) geantwortet.

Vorbemerkung der Abgeordneten
Neodym ist eine sogenannte seltene Erde und Bestandteil vieler getriebeloser Windräder. Neodym kommt in natürlicher Form nur in chemischen Verbindungen vergesellschaftet mit anderen Lanthanoiden vor. Die Gewinnung von Neodym mittels Trennung vom geförderten Gestein gilt es umweltbelastend. Zudem werden radioaktive Elemente wie Uran oder Thorium freigesetzt.
Vorbemerkung der Landesregierung

Neodym tritt in Lagerstätten Seltener Erden zusammen mit den anderen 16 Elementen der Lanthanoidenreihe plus Scandium und Ytrium auf. Neodym spielt eine wesentliche Rolle für die Herstellung von Permanentmagneten. Diese kommen allerdings nicht in allen Windenergieanlagen sondern nur bei einem relativ geringen Teil der verschiedenen technischen Anlagenkonzepte zum Einsatz - in Windenergieanlagentypen mit sogenannten permanenterregten Generatoren. Windenergieanlagen mit elektrisch erregtem Synchrongenerator arbeiten hingegen ohne Permanentmagnete.

1. Wie viel Neodym wurde seit 2010 in deutschen Windrädern verbaut?
Deutschland wies im Zeitraum 2011-2014 jährliche Netto-Importe von durchschnittlich 260 Tonnen Seltenen Erden als Metalle und durchschnittlich 790 Tonnen an sogenannten Cer-Verbindungen auf („Deutschland ‒ Rohstoffsituation 2014", BGR, 11/2015). Hinzu kämen stoffliche Importe als Bestandteil von Zwischen- und Fertigprodukten, die statistisch nicht erfasst werden. Eine Untergliederung der Importstatistik nach den Einzelelementen liegt nicht vor.
Ebenso wird nicht statistisch erfasst, welche Mengen an Einzelelementen wie Neodym in Produkten bzw. Produktkategorien (hier Windenergieanlagen) in Deutschland verarbeitet werden. Im Rahmen des Forschungsvorhabens „Kritische mineralische Ressourcen und Stoffströme bei der Transformation des deutschen Energieversorgungssystems" (Abschlussbericht, Wuppertal Institut, 2015) wird für heutige Windenergieanlagen mit permanenterregten Generatoren ein mittlerer spezifischer Bedarf von Neodym in Höhe von 201,5 kg/MW bei Anlagen mit Direktantrieb (getriebelos), 49,6 kg/MW bei Anlagen mit Getrieben mittlerer Geschwindigkeit und 24,8 kg/MW bei Anlagen mit Getrieben hoher Geschwindigkeit ermittelt. Eine belastbare Hochrechnung des Neodymeinsatzes auf den Anlagenbestand ist angesichts der oben benannten unterschiedlichen technischen Anlagenkonzepte und unterschiedlicher Anlagengenerationen nicht möglich.

2. Welche Abfallprodukte entstehen bei der Trennung von Neodym vom geförderten Gestein, und welche davon sind giftig oder umweltgefährdend?
In natürlichen Lagerstätten der Seltenen Erden findet sich je nach Lagerstätte auch Thorium und ggf. auch Uran. Eine effiziente und umweltfreundliche Trennung und Aufbereitung ist grundsätzlich möglich, erfolgt aber in bestimmten Regionen bisher nur unzureichend.

3. Inwieweit ist Neodym nach dem Abbau der Windräder wieder recycelbar?
Das Recycling von Neodym aus Windkraftanlagen ist grundsätzlich möglich. Es ist davon auszugehen, dass dies in künftigen Recyclingprozessen erfolgen wird, denn da nur wenige Elemente der Seltenerdgruppe verbaut sind, ist deren Trennung und Wiedergewinnung mit weitaus geringerem Aufwand und damit ökonomisch und ökologisch wesentlich besser als die Gewinnung aus Primärrohstoffen zu erreichen. Geeignete Recyclingverfahren sind bereits bis zum Labor- und Kleintechnikmaßstab entwickelt worden, deren industrielle Umsetzung wird allerdings erst möglich, wenn hinreichend große Abfallmengen zur Verfügung stehen.    
 
Herausgeber: Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz    


Diese Presseinformation im Portal des Landes Niedersachsen: www.umwelt.niedersachsen.de/portal/live.php



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