Pilzkrankheiten (vor allem die Kraut- und Braunfäule, Phytophthora infestans, und Blütenendfäule) (1.), aber auch Viruskrankheiten (2.) und Schädlingsbefall (3.) sowie Mangelerscheinungen können dem Tomatenliebhaber das Leben schwer machen. Deshalb folgen hier ein paar Tipps:
1. Für Pilzkrankheiten gilt, dass eine vorbeugende Behandlung der Pflanzen effektiver und sinnvoller ist als kurative Maßnahmen nach Ausbruch einer Krankheit.
Ist die Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) erst einmal zum Ausbruch gekommen, hilft fast nur noch das schnellstmögliche und vollständige Entfernen der betroffenen Pflanzen. Besonders in feucht-kühlen Sommern werden viele Tomatensorten so stark mit Pilzen befallen, dass die Pflanzen komplett vernichtet werden müssen. Befallene Pflanzen sollten nicht auf dem Kompost entsorgt werden, da sich dort die Sporen halten können und im nächsten Jahr als Infektionsquelle für einen neuen Befall verantwortlich sein können.
Generell ist es sinnvoll, die Pflanzen vor Regen zu schützen, um das Befallsrisiko der Tomaten gegenüber Pilzkrankheiten zu minimieren. Einfache Dachkonstruktionen aus Folie auf einem Holzgerüst oder durchsichtige Doppelstegplatten haben sich bewährt, sind jedoch in extrem kühl-nassen Sommern auch kein hundertprozentiger Schutz mehr, da die Pilzsporten durch die Luft auch dorthin gelangen. Am besten geeignet für das Anpflanzen von Tomaten sind geschützte Standorte wie die nach Süden ausgerichtete Hauswand oder der Anbau im Gewächshaus. Wer seine Tomaten an weniger geeigneten Flächen zieht, sollte für den Freilandanbau robuste Sorten verwenden. Dazu gehören neben einigen Wildsorten sowie die als besonders robust beschriebenen Kultursorten auf Tomatenpflanzenliste, die Sie beim VEN gegen Erstattung der Druck- und Portokosten bestellen können.
Die Blütenendfäule erkennt man an einer eingesunkenen, zuerst wässrigen, später eingetrockneten schwarzen Stelle an der Fruchtspitze. Der Schaden ist auf Kalzium-Mangel zurückzuführen und kann durch eine ausreichende Versorgung, z.B. durch die Anwendung von stark verdünntem Geflügelmist (1:50) oder Algenkalk, der bereits beim Pflanzen in die Erde eingearbeitet werden sollte, verhindert werden.
2. Sehr seltene Viruserkrankungen lassen die Blätter verdrehen oder panaschiert erscheinen oder die Pflanzen kümmerlich wachsen. Diese Pflanzen sollten sofort vollständig entfernt und ebenfalls nicht auf dem Kompost entsorgt werden.
3. Die wichtigsten Schädlinge, mit denen man beim Anpflanzen von Tomaten zu rechnen hat, sind im Freiland Blattläuse (z.B. Aulacortum solani) und beim Anbau im Gewächshaus Weiße Fliegen (meist Trialeurodes vaporariorum), Spinnmilben („Rote Spinne“ Tetranychus urticae), Minierfliegen (Liriomyza- sowie Phytomyza-Arten) und in den letzten Jahren immer häufiger Tomatenrostmilben (Aculops lycopersici).
Sollte der Befall mit Schädlingen so stark sein, dass eine Bekämpfung erforderlich wird, sollten stets biologische Bekämpfungsmaßnahmen gegenüber chemischen bevorzugt werden. Erst wenn diese Methoden - aus welchem Grund auch immer - nicht greifen, stehen auch dem Kleingärtner nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Blattläuse bedürfen im Freiland normalerweise keiner Bekämpfung, da nützliche Insekten wie Marienkäfer, Schwebfliegen und Schlupfwespen in die Blattlauskolonien einwandern und die Läuse vernichten. Wenn Blattläuse sich aber zu stark vermehren und Nützlinge nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind, helfen einfache für Natur und Mensch ungiftige Mittel.
Oft reicht es aus, die Blattläuse mit Wasser von der Pflanze abzuspülen, eine Spritzung mit Pflanzenseifen (z.B. Neudosan, Firma Neudorff) ist aber in der Regel hilfreicher. Zusätzlich empfiehlt sich der gezielte Einsatz von Nützlingen, die über gut sortierte Gartenfachgeschäfte oder das Internet zu beziehen sind. Der kurzfristig effektivste Nützling gegen Blattläuse ist die Larve der Florfliege (Chrysoperla carnea), die unter günstigen Bedingungen auch im Freiland einsetzbar ist. Die bei weitem preiswerteste Alternative stellt jedoch das Einsammeln von Marienkäfern im Freiland dar. Vor allem an Linden und Ahorn lassen sich im Frühjahr Marienkäfer und deren Larven in ausreichender Zahl einsammeln und auf die Tomatenpflanzen im Garten übertragen.
Auch gegen Weiße Fliegen und Spinnmilben stehen Nützlinge zur Verfügung. Vorraussetzung ist, dass die Schädlinge möglichst frühzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Gegen Weiße Fliegen im Gewächshaus empfiehlt sich der Einsatz der winzigen Schlupfwespe Encarsia formosa. Der effektivste Antagonist gegenüber Spinnmilben ist die Raubmilbe Phytoseiulus persimilis. Beide Nützlinge müssen allerdings gekauft werden. Auch Spritzungen mit Neudosan zeigen gegenüber Spinnmilben und Weißen Fliegen gute Wirkung.
Gegen Minierfliegen wird auch im Erwerbsgartenbau seit einiger Zeit fast vollkommen auf Insektizide verzichtet, weil mit den beiden Schlupfwespen Dacnusa spec. und Diglyphus spec. sehr wirksame Nützlinge zur Verfügung stehen. Auch diese beiden Nützlinge sind über den Handel oder das Internet zu beziehen. Bei einer kleinen Anzahl von Pflanzen reicht das Entfernen befallener Blätter völlig aus.
Wenn sich Tomatenstängel und Blattstiele gelb-braun färben, die Blätter beginnen, sich einseitig einzurollen, zu verfärben und schließlich absterben, handelt es sich häufig nicht um einen Pilzbefall, sondern um einen Schaden, der von den Tomatenrostmilben (Aculops lycopersici) verursacht wird. Bisher wurden diese extrem kleinen Milben nur im Erwerbsanbau unter Glas beobachtet, so dass hier kein Handlungsbedarf für private kleine Gärten besteht. Über die Bekämpfung der Tomatenrostmilbe mit Hilfe von Nützlingen ist bislang noch nichts bekannt der Einsatz von polyphagen Raubmilben, wie sie zur Bekämpfung von Thripsen eingesetzt werden, ist jedoch sehr vielversprechend.