Tomaten selber anbauen - leicht gemacht

Tipps zum Tomatenanbau im Hausgarten und auf Balkonien
vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt und BUND Region Hannover


ALTE Tomatensorten – Neu belebt - Zur Geschichte der Tomate

Die gleichnamige Broschüre "Tomaten selber anbauen" ist in einer aktualisierten Version mit vielen Fotos beim BUND als Broschüre gegen Erstattung der Versandkosten erhältlich (24 Seiten DINA5, farbig). Layout und Druck wurden durch die Umweltlotterie BINGO ermöglicht, wofür wir uns an diese Stelle sehr bedanken möchten.

Zur Geschichte der Tomate - alte Sorten neu belebt

Solanum Humboldtii - Wildtomate, die von Alexander von Humboldt beschrieben wurde.

Tomaten gehören zur Pflanzenfamilie der Solanaceen (Nachtschattengewächse) und zur Gattung Lycopersicon. Ihre wilden Urformen sind meist kleinfrüchtig (10 bis 15 mm Durchmesser). Einige Wildarten haben einen bitteren Geschmack und einen hohen Solaningehalt. Ihre Heimat sind die Trockengebiete im westlichen Südamerika (Kolumbien, Ekuador, Peru, Chile, Galapagos Inseln) vom Küstenstreifen bis in die Anden. Bereits vor der Entdeckung ihres Kontinentes durch die Spanier haben die Ureinwohner Mittel- bis Südamerikas Tomaten in Kultur genommen. Sie schufen durch Auslese zufällig entstandener, größerer Mutationen die Vorläufer unserer heutigen Kulturformen, die mit den Seefahrern im 16. Jahrhundert nach Europa gelangten. Noch heute sind solche Bauerntomaten in vielen Länder Lateinamerikas zu finden; beispielsweise in Guatemala, Honduras, Peru, Mexiko und Bolivien. Einige solche indigenen Kultursorten sind auch auf der Sortenliste von VEN und BUND zu finden wie die Reisetomate Guatemala, Bauerntomate Honduras, Peruanischer Beutel, Oaxan Jewel und Bolivianische Obsttomate.

Der von den europäischen Botanikern verliehene Gattungsname „Lycopersicon“ bedeutet in Griechisch soviel wie Wolfspfirsich; ein eher gefährlich anmutender Name. Die Tomate wurde noch lange nach ihrer Einfuhr in Europa - wie viele andere Nachtschattengewächse - für eine giftige Frucht gehalten und deshalb nur als Zierpflanze in fürstlichen Gärten gehalten. Später, als ihre Essbarkeit bewiesen war, erhielt sie den Artnamen „esculentum“, was essbar bedeutet.

Unter den südamerikanischen Kulturformen befanden sind wahrscheinlich auch Gelbfrüchtige. Diese gelangten vermutlich vor den Rotfrüchtigen nach Italien. So beschrieb 1544 der Botaniker Pietro Andrea Matthioli die Pflanze zunächst als Pomi d'oro (Goldapfel) und bis heute heißen Tomaten in Italien pomodori. Mit der Bevorzugung der roten Formen in vielen europäischen Ländern wurde sie bei uns früher Liebesapfel und in Österreich Paradeiser genannt. Diese Bezeichnung hat sich in Österreich bis heute gehalten. Die Italiener waren die ersten in Europa, die Tomaten in der Küche nutzten. Überliefert ist, dass der furchtlose Amerikaner Robert Gibson Johnson im Jahr 1840 in Salem, New Jersey, auf der Treppe eines öffentlichen Gebäudes vor den Augen aller eine rohe Tomate verspeiste (Quelle: Waverly Root: Enzyklopädie der kulinarischen Köstlichkeiten).

Mit Entdeckung der Essbarkeit in der Alten Welt wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert begonnen, die Tomate in einigen europäischen Ländern systematisch zu züchten. In vielen Ländern rund um den Globus ranken sich Traditionen und Wissen um den Wert und die Nutzung vieler verschiedener Sorten. Weltweit sind bis heute mindestens 10.000 Kultursorten entstanden.

Sortenvielfalt bei Tomaten

Vielfalt für Auge und Gaumen

Tomaten sind keineswegs immer rot und rund, auch wenn diese bis heute im Handel vorherrschen. Sie sind in vielfältigen Farben und Formen weltweit gezüchtet worden: von johannisbeergroßen Trauben bis hin zu Früchten, die 700 bis 800 Gramm wiegen können in runden, ovalen, blockigen, herz- und beutelförmigen, länglichen und gerippten Formen. Sie können grün, zitronen- bis goldgelb, orange, hell- und dunkelrot bis violett, braunrot  bis schwarz und mehrfarbig gestreift und marmoriert sein.

Grüne Sorten wie Green Zebra, Grüne Trauben, Smaragd, Green Sausage oder die grünrote Guernsey Island oder Safari enthalten anders als unreife Tomaten kein Solanin in gesundheitsschädlichen Mengen. Solanine sind Glykosidalkaloide, die in Nachtschattengewächsen natürlich vorkommen. Diese sind in unreifen Tomaten sowie den grünen Pflanzenteilen von Tomaten und Kartoffeln zu finden und dienen der natürlichen Abwehr von Schädlingen bei vielen Nachtschattengewächsen. Da Solanin auch beim Kochen noch erhalten bleibt, sollten unreife Tomaten auch nicht zu Tomatensoße verarbeitet werden. Grüne Bestandteile sollten, wie es auch bei Kartoffeln üblich ist, herausgeschnitten werden.

In den reifenden Früchten - also auch bei den grünen Sorten, die dann einen leichten gelben Schimmer bekommen, wird das Solanin in den Tomaten abgebaut. Wer nicht sicher ist, ob eine grüne Sorte reif ist, kann sie vorsichtig anfassen und merkt sogleich, dass die reifen Früchte weicher als die unreifen sind. Wer also grüne Tomaten zu Marmelade oder Chutney verarbeiten will, sollte nicht auf unreife, sondern grüne Sorten zurückgreifen. Ein weiterer Vorteil bei der Verarbeitung zu Chutney ist, dass viele grüne Sorten ein besonders fruchtig frisches Aroma haben.

Aromenvielfalt

Sorte "Cherokee Purple" - eine dunkle besonders aromatische Sorte mit feinem Aroma.

Viele der für Verbraucher noch ungewöhnlichen lila, braunvioletten, aber auch grünen und gelben Sorten haben ein hervorragendes, von Sorte zu Sorte sehr unterschiedliches und oft sehr feines Aroma. Selbstverständlich gibt es auch bei roten Sorten sehr unterschiedliche Aromen. Die Tendenz zu besserem Aroma auch bei konventionellen Tomatenzüchtungen ist sicherlich bereits ein Resultat eines veränderten Verbraucherverhaltens und ein kleiner Erfolg aller derjenigen, die sich um den Erhalt alter, vielfältiger, auch geschmacklich sehr reichhaltiger Sorten kümmern. So wurde in den letzten Jahren ein breites Interesse an Vielfalt geweckt sowie das Bedürfnis, dass Tomaten wieder „wie früher“  schmecken sollen.

Mittlerweile gibt es an der niederländischen Einrichtung TNO ein Forschungsvorhaben, um der Geschmacks- und Geruchsvielfalt wissenschaftlich auf die Spur zu kommen mit dem Ziel, eine Messmethode für Geschmack zu entwickeln. Der Geschmack von Tomaten wird durch den Zuckergehalt (Glukose, Fruktose u. a.), die Zusammensetzung der Fruchtsäuren (Äpfel-, Zitronensäure u. a.), die Bitterstoffe und flüchtigen Bestandteile bestimmt. Das niederländische Institut TNO erfasst messbare, chemische Stoffe (auch Metaboliten genannt), die u. a. für Geruch, Geschmack und Nachgeschmack bei Tomaten verantwortlich sind. In einer Studie mit 19 unterschiedlichen Cocktail- und Cherrytomaten wurden 1.394 Metaboliten in den Tomaten festgestellt; 20 davon bestimmen den Geschmack. Noch unbekannt waren den Forschern die Metaboliten für den Geruch.

Ob dies jedoch zu einer – seitens der Erhalter alter Sorten – wenig gewünschter Standardisierung und einem neuen Einheits-Tomatenaroma moderner Hochleistungssorten führt, oder einfach nur hilft, moderne Züchtungen geschmacklich zu verbessern, wird die Zukunft zeigen. Ohne die Vielfalt der weltweit von privaten Tomatenliebhabern, indigenen Gärtnern und Saatgutbanken erhaltenen Tausenden von Sorten, wäre der Genpool für Neuzüchtungen sehr begrenzt! Aber nicht jede alte Sorte muss automatisch besonders aromatisch sein trotz der unglaublichen Aromenvielfalt dieser Sorten: So wurden ganz bewusst in vielen Ländern für bestimmte Bedürfnisse Tomaten züchterisch entwickelt, beispielsweise besonders ertragreiche zum Kochen, kleinere würzige mit weniger Mark zum Trocknen, oder einfach Sorten, die nur sehr kurze Zeit bis zur Reife der Früchte brauchen, um auch in Regionen mit einem kurzen Sommer wie in Sibirien noch gute Erträge zu erhalten.

Tomaten sind gesund

Galapagos Tomatenart "Lycopersicon Cheesmanii"

Tomaten sind reich an verschiedenen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen und damit sehr gesund. Die Qualität der Tomaten ist von der Anbaumethode abhängig. In biologisch angebauten Tomaten stecken doppelt so viele Flavonoide wie in konventionell gezogenen. Flavonoide gelten als wirksamer Zellschutz. Zehn Jahre lang verglichen Agrarwissenschaftler konventionell und ökologisch erzeugte Tomaten miteinander. Die Forscher der University of California in Davis kamen zu dem Ergebnis, dass die Bio-Früchte fast doppelt so viele Flavonoide aufwiesen wie die konventionellen: 79 Prozent mehr Quercetin und 97 Prozent mehr Kämpferol. Die beiden Flavonoide sind sich chemisch sehr ähnlich und wirken antioxidativ, indem sie aggressive Sauerstoffverbindungen einfangen, die so genannten freien Radikale. Diesen Zellschutz bieten die Pflanzenstoffe auch dem menschlichen Organismus. Flavonoiden wird daher ein Schutz vor Krebs zugeschrieben. Sie sollen auch zu hohen Blutdruck senken und dadurch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall senken. Als Ursache für die hohe Konzentration an schützenden Stoffen in den Bio-Tomaten sehen die Wissenschaftler die Nährstoffversorgung der Pflanzen. Während konventionell erzeugte Tomaten von stickstoffreichem Dünger profitieren, müssen Bio-Früchte sich mit dem natürlichen Angebot des Bodens an Nährstoffen begnügen. Um sich selbst vor einem Stickstoffmangel zu schützen, produzieren die ökologisch gezogenen Tomaten deshalb besonders viele sekundäre Pflanzenstoffe.

Die Farbe von gelben, roten und dunklen Tomaten wird durch das Karotenoid Lycopin bedingt. Lycopin wirkt ebenfalls stark antioxidativ. Während des Reifeprozesses der Tomaten wird es insbesondere in den äußeren Schichten der Frucht angereichert. Da Lycopin tief verankert in den Zellen sitzt, wird es bei der Nahrungsaufnahme besser verfügbar, wenn die Tomaten gekocht, zu Pastasauce oder Ketchup verarbeitet werden. Das bedeutet, dass gekochte Tomaten noch sehr gesund sind; nur das Vitamin C leidet beim Kochen. In geringer Menge ist auch Beta - Carotin in Tomaten vorhanden. Durch Mutation entstanden im Laufe der Evolution der Tomate verschiedene Farbtypen. Durch Einkreuzung von Genen einiger Wildarten (z. B. L. cheesmanii, mit hohem Gehalt an Beta - Carotin) kann der Karotenoidgehalt der Früchte erhöht werden.

Vielfalt lebendig erhalten

Damit die alten samenfesten Sorten nicht verloren gehen, bemühen sich der VEN (Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt) und andere Vereine wie der VERN in Brandenburg oder das Private Samenarchiv Bohl, die Arche Noah in Österreich, Pro Spezie Rara in der Schweiz sowie viele botanische Gärten und Saatgutbänke wie die IPK Gatersleben oder Seed Savers Exchange in den USA, Tomatensorten aus allen Regionen und aller Welt zu erhalten. Anders als in Saatgutbänken, wo die Sorten nur in sehr langen Abständen angebaut werden, um weiterhin keimfähiges Saatgut zu produzieren, sind Gärtnerinnen und Gärtner der Vereine ebenso wie kleinbäuerliche Erhalter daran interessiert, durch jährlich Auslese der widerstandsfähigsten, geschmackvollsten und ertragreichsten Früchte die Sortenentwicklung allmählich zu verbessern. So findet auch eine an Boden und Klima optimal angepasste, lebendige Auslese statt. Eine solche Saatgutentwicklung entspricht der traditionellen über Generationen Methode von Land- und Hofsorten, die dann auch zur Entwicklung neuer Sorten geführt hat. Noch heute profitieren wir von diesen „alten“ Sorten und erhalten sie lebendig für kommende Generationen zu bewahren. Dies kann jeder Tomatenliebhaber noch heute praktizieren, beispielsweise, indem eine Lieblingssorte über Jahre an derselben Stelle angebaut wird und stets nur von den gesündesten und frühsten Tomaten Saatgut abgenommen wird. Doch dieser genetische Schatz ist heute in unserer standardisierten, industriell ausgerichteten Lebensmittelproduktion akut in Gefahr! So manche wiederentdeckte alte Sorte ist uns dadurch erhalten geblieben, dass sie über Jahrzehnte hinweg in einem Garten Jahr für Jahr nachgebaut wurde und als „Familienschatz“ die Zeit überdauerte, in der es nur wässerige Treibhausfrüchte zu kaufen gab.

Beim VEN geht ein Teil des gewonnenen Saatgutes an den Verein zurück. So ist eine Sammlung von vielen hundert Tomatensorten zustande gekommen, deren Vielfalt auch Sammler oft in Erstaunen versetzt. So wird für jeden Geschmack und jedes Bedürfnis etwas dabei sein!

Das Fruchtfleisch mancher Sorten ist eher mehlig und deshalb sehr gut zum Verkochen in Suppen oder Pastasaucen geeignet. Besonders schnittfeste Tomaten eignen sich für Salate, sogar für Obstsalate. Oder möchten Sie eine der hohlfrüchtigen Sorten zum Füllen kennen lernen? Vielleicht bevorzugen Sie die meist süßlich-aromatischen Cocktail-  und Wildsorten zum Naschen, an denen auch Kinder Gefallen finden?

Tipps zu Anbau, Pflege & Erhalt samenfester Sorten

Tomaten, die vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) e.V. erhalten und weitergegeben werden, können ohne viel Aufwand von jeder Hobbygärtnerin und Tomatenfreund gezogen und vermehrt werden. Im Gegensatz zu den meisten Jungpflanzen im Handel oder zum kommerziellen Saatgut mit dem Vermerk F1 sind sie samenfest. Das bedeutet, dass aus ihren Samen sich dieselbe Tomatensorte wieder problemlos ziehen lässt. F1-Hybriden hingegen werden aus zwei unterschiedlichen Elternsorten gekreuzt, deren reine Linien beim Züchter gehalten werden. Dieser Vorgang muss für jede Saatgutgeneration wiederholt werden und verlangt deshalb stets neuen Saatgutkauf. Moderne Zuchtziele dieser Hybridsorten sind vor allem Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und hohe Erträge. Auf geschmackliche Qualitäten und Erhalt der Sortenvielfalt wurde bis vor einige Jahren nicht besonders geachtet, dies beginnt sich allmählich zu wandeln. Wer versucht, die Samen einer solcher Hybridsorte wieder auszusäen, wird in der Regel enttäuscht sein, denn sie spalten sich in der kommenden Generation wieder in ihre ursprünglichen Sorten auf.

Die vom VEN angebotenen Tomatensorten sind samenfest und überwiegend selbst befruchtend.  Durch leichtes Schütteln der Pflanze kann dem nachgeholfen werden. So kann jeder seine Lieblingstomaten von Jahr zu Jahr vermehren und selbst aus eigenen Samen ziehen. Einige der alten Fleischtomatensorten wie die Sorte Purple Calabash besitzen einen aus dem inneren Blütenkegel herausragenden Stempel und sind deshalb kreuzungsgefährdet, da durch Insekten der Blütenstaub anderer Sorten auf die Narbe des Stempels gelangen kann. Diese ebenso wie Wildtomaten, die ebenfalls untereinander stark kreuzungsgefährdet sind, sollten deshalb isoliert angebaut werden. Generell sollten Sorten, von denen Saatgut gewonnen werden soll, nicht zu dicht beieinander stehen. Ein Abstand von einem Meter verhindert in der Regel unliebsame Pollenübertragungen. Doch wer nur köstliche Sorten hat, kann durch solche unerwünschte Kreuzung auch einmal Glück haben und eine sehr gute Sorte durch dann folgende Auslese über mehrere Jahre züchten.

Besondere Widerstandsfähigkeit ...

... haben einige der Wildtomaten aus den Anden, die auch vom VEN erhalten werden. Die Früchte sind sehr klein und oft sehr aromatisch. Viele kleinfrüchtige Cocktailtomaten haben die Widerstandsfähigkeit einiger Wildtomatenarten geerbt, da sie züchterisch aus diesen selektiert, entwickelt oder wieder eingekreuzt wurden. Daher eignen sich diese vor allem für den Freilandanbau, denn in den feuchten kühlen Sommern unserer Breite ist die Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans), die neben der Tomate auch die Kartoffel befällt, zur wahren Plage geworden.

Hundertprozentig resistente Sorten gibt es nicht, aber einige wenige Kultursorten zeigen eine beachtenswerte Toleranz und Regenerationsfähigkeit gegenüber Phytophtera-Pilzen. Durch sorgfältige Auslese von Früchten zur Saatgutgewinnung von besonders widerstandsfähigen einzelnen Pflanzen lassen sich so auch die eigenen Haussorten optimieren. Es ist – wie immer in der Natur – ein ständiger Wettkampf von Pflanze und Parasit (hier Pilz) – um das Überleben. Anders als bei gentechnisch veränderten Tomaten, denen beispielsweise nur ein „Resistenz-Gen“ gegen Pilzbefall eingebaut wurde, haben alte Sorten ein großes Spektrum an solchen Resistenz-Genen, um sich gegen negative Einflüsse zu schützen. Diese können durch gezielte Auslese lebendig erhalten und optimiert werden.

Um das Risiko in einem eher kühl-feuchten Sommer zu minimieren, sollten empfindliche, größere Sorten (Fleischtomaten) vorzugsweise geschützt angebaut werden (unter einem Dachvorstand, an Südwänden, Glashaus). Ideal ist auch ein großer Kübel oder Eimer (mindestens 10 Liter) mit Löchern, der geschützt ggf. an der Hauswand unter der Dachtraufe und an möglichst sonniger Stelle steht.

 

Saatgutgewinnung bei Tomaten

Tomatensamen sind mit einer Gallerte umgeben, die keimhemmende Substanzen enthält: Sie verhindert, dass die Samen bereits im Innern der Früchte keimen. Um schnell keimendes Saatgut zu bevorraten, müssen diese keimhemmenden Substanzen abgebaut werden. Für den Erhalt einer Sorte werden die vollreifen, gesunden Früchte des ersten Fruchtstandes benötigt. Die Samen dieser Früchte werden in ein Glas gegeben und mit etwas Wasser bedeckt an einem warmen Ort je nach Temperatur 2 bis 4 Tage stehen gelassen. Innerhalb kurzer Zeit beginnt die Masse zu gären, wodurch sich die gallertartige Samenhülle mit den keimhemmenden Substanzen mit Bläschen durchsetzt und nach oben steigt. Dabei kann ein leichter Schimmelbefall auf der Oberfläche auftreten und gehört zu den normalen Abbauprozessen. Wenn die Samen im Glas nach unten sinken und sich von der vergorenen Schicht trennen, ist es Zeit, die Samen mit Hilfe eines Siebes mit klarem Wasser abzuspülen und danach auf ein Stück Papier – aber  keiner Küchenrolle - zu legen, denn die Samen besitzen auf der Oberfläche Härchen, die sich im luftigen Gewebe der Küchenrolle leicht verhaken. Gut geeignet sind grobfaserige Papiere wie Tageszeitungen, auf denen die Samen ca. 2 bis 3 Wochen trocknen. Das so gewonnene Saatgut behält bei sachgemäßer Lagerung (kühl, dunkel und trocken in einem verschlossenen, mit Sortenbezeichnung und Erntejahr beschrifteten Gefäß – beispielsweise Fotodosen) wenigstens 5 Jahre seine Keimfähigkeit – eventuell auch bis zu 10 Jahren. Die häufig praktizierte Samengewinnung ohne Vergärung sollte nur bei ganz kleinen Portionen für den Eigenbedarf angewandt werden. Die so gewonnen Samen sind aus den genannten Gründen meist schlechter keimfähig und kürzer haltbar.

Anzucht, Pikieren und Auspflanzen von Tomaten

Ausgesät wird einfach auf einer möglichst sonnigen Fensterbank etwa ab Mitte Februar bis März in Aussaaterde. In jedes Töpfchen sollten nicht mehr als 2 bis 3 Samenkörner gelegt werden. Die kräftigste Pflanze bleibt stehen und kann nach ca. 2 Monaten in einen größeren Pflanztopf pikiert werden. Dabei werden die Pflänzchen tiefer, mindestens bis zum Ansatz der Keimblätter in die Erde gesetzt. Vorher wird die Wurzelspitze ein wenig abgekniffen, um eine gut verzweigte Wurzelbildung anzuregen.

Die Pflanzen benötigen nun für eine gute Entwicklung Nährstoffe und Spurenelemente, d.h. wir versorgen die Pflanzen mit Komposterde, vermengt mit Urgesteinsmehl (fördert Widerstandskraft), bei besonders stark zehrenden Sorten noch etwas Algenkalk. Beim Kauf von Blumenerde sollte auf torffreie oder stark torfreduzierte (Regional-) Erde erworben werden zum Schutz der letzten europäischen Hochmoore. Diese werden in atemberaubendem Tempo abgetorft und enden leider zum großen Teil in unseren Balkonkästen, obwohl es Alternativen gibt. Eine aktuelle Liste mit torffreien Erden finden Sie unter Liste torffreier Erden unter www.bund-hannover.de/ Themen / Naturgarten.

Nach den Frösten der Eisheiligen  – also Mitte Mai – werden die Tomatenpflanzen in unseren Regionen in einen großen Kübel oder direkt in die Gartenerde gepflanzt. Ins Gewächshaus kann schon im April gepflanzt werden. Beim Pflanzen sollte 1/2 bis 3/4 des Stiels möglichst schräg in die Erde eingesetzt werden. Dadurch bildet sich ein sehr kräftiger Wurzelballen und die Pflanzen gedeihen kräftiger. Das Pflanzloch wird mit Kompost, Tomatendünger und Urgesteinsmehl und, wenn vorhanden, mit etwas Holzasche (Kalilieferant für gute, haltbare Früchte) vermengt. Tomaten sind sehr wärmebedürftig und brauchen deshalb einen sonnigen Standort. Im Anfangsstadium benötigen die Pflanzen viel Wasser. Wenn sich reichlich Wurzelwerk gebildet hat, können sich die Pflanzen im Freiland gut selbst versorgen und werden in der Regel nur nach dem Pflanzen einmal gut gegossen. Im Garten sollte lieber durchdringend und nur einmal pro Woche am Fuß der Pflanze gegossen werden (wenn überhaupt erforderlich), ohne die Blätter der Pflanze nass werden zu lassen (Vorbeugung gegen Pilzbefall). So werden die Früchte auch aromatischer. Kübelpflanzen benötigen häufiger, vor allem morgens die Gießkanne (Abflusslöcher im Boden anbringen!). Fingerspitzengefühl im Umgang mit Wasser benötigen Pflanzen im Gewächshaus. Bei zu viel Feuchtigkeit ist die Gefahr des Pilzbefalls recht groß. Neben der Krautfäule tritt dann oft die Samtfleckenkrankheit auf. „Weniger ist mehr“ heißt die Devise – erst wenn die Pflanzen morgens schlapp sind, sollten sie gewässert werden.

Düngung & Stärkung von Tomatenpflanzen gegen Krankheiten

Das Düngen mit Brennnesseljauche (verdünnt im Verhältnis 1:20) ist nur in den ersten Wochen etwa bis Ende Juni empfehlenswert, da die Brenneseljauche viel Stickstoff enthält und neben dem Wurzelwachstum vor allem die Blattbildung anregt. Brennnesseln versorgen darüber hinaus die Pflanze mit Kieselsäure und stärken sie gegen Pilzkrankheiten. Es gibt auch spezielle Tomatendünger für den biologischen Anbau (z.B. Firma Neudorff). Grundsätzlich brauchen Tomaten mehr Kali als Stickstoff. Ab Juli kann mit verdünnter Beinwelljauche (1:20) gegossen werden (etwa alle 3 bis 4 Wochen). Zum Düngen geeignet sind auch die getrockneten und verbrannten Pflanzen vom Vorjahr, da sich in der Asche Kali und andere wertvolle Mineralien angereichert haben.

Pflanzenkrankheiten bei Tomaten

Pilzkrankheiten (vor allem die Kraut- und Braunfäule, Phytophthora infestans, und Blütenendfäule) (1.), aber auch Viruskrankheiten (2.) und Schädlingsbefall (3.) sowie Mangelerscheinungen können dem Tomatenliebhaber das Leben schwer machen. Deshalb folgen hier ein paar Tipps:

1. Für Pilzkrankheiten gilt, dass eine vorbeugende Behandlung der Pflanzen effektiver und sinnvoller ist als kurative Maßnahmen nach Ausbruch einer Krankheit.

Ist die Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) erst einmal zum Ausbruch gekommen, hilft fast nur noch das schnellstmögliche und vollständige Entfernen der betroffenen Pflanzen. Besonders in feucht-kühlen Sommern werden viele Tomatensorten so stark mit Pilzen befallen, dass die Pflanzen komplett vernichtet werden müssen. Befallene Pflanzen sollten nicht auf dem Kompost entsorgt werden, da sich dort die Sporen halten können und im nächsten Jahr als Infektionsquelle für einen neuen Befall verantwortlich sein können.

Generell ist es sinnvoll, die Pflanzen vor Regen zu schützen, um das Befallsrisiko der Tomaten gegenüber Pilzkrankheiten zu minimieren. Einfache Dachkonstruktionen aus Folie auf einem Holzgerüst oder durchsichtige Doppelstegplatten haben sich bewährt, sind jedoch in extrem kühl-nassen Sommern auch kein hundertprozentiger Schutz mehr, da die Pilzsporten durch die Luft auch dorthin gelangen. Am besten geeignet für das Anpflanzen von Tomaten sind geschützte Standorte wie die nach Süden ausgerichtete Hauswand oder der Anbau im Gewächshaus. Wer seine Tomaten an weniger geeigneten Flächen zieht, sollte für den Freilandanbau robuste Sorten verwenden. Dazu gehören neben einigen Wildsorten sowie die als besonders robust beschriebenen Kultursorten auf Tomatenpflanzenliste, die Sie beim VEN gegen Erstattung der Druck- und Portokosten bestellen können.

Die Blütenendfäule erkennt man an einer eingesunkenen, zuerst wässrigen, später eingetrockneten schwarzen Stelle an der Fruchtspitze. Der Schaden ist auf Kalzium-Mangel zurückzuführen und kann durch eine ausreichende Versorgung, z.B. durch die Anwendung von stark verdünntem Geflügelmist (1:50) oder Algenkalk, der bereits beim Pflanzen in die Erde eingearbeitet werden sollte, verhindert werden.

2. Sehr seltene Viruserkrankungen lassen die Blätter verdrehen oder panaschiert erscheinen oder die Pflanzen kümmerlich wachsen. Diese Pflanzen sollten sofort vollständig entfernt und ebenfalls nicht auf dem Kompost entsorgt werden.

3. Die wichtigsten Schädlinge, mit denen man beim Anpflanzen von Tomaten zu rechnen hat, sind im Freiland Blattläuse (z.B. Aulacortum solani) und beim Anbau im Gewächshaus Weiße Fliegen (meist Trialeurodes vaporariorum), Spinnmilben („Rote Spinne“ Tetranychus urticae), Minierfliegen (Liriomyza- sowie Phytomyza-Arten) und in den letzten Jahren immer häufiger Tomatenrostmilben (Aculops lycopersici).

Sollte der Befall mit Schädlingen so stark sein, dass eine Bekämpfung erforderlich wird, sollten stets biologische Bekämpfungsmaßnahmen gegenüber chemischen bevorzugt werden. Erst wenn diese Methoden - aus welchem Grund auch immer - nicht greifen, stehen auch dem Kleingärtner nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Blattläuse bedürfen im Freiland normalerweise keiner Bekämpfung, da nützliche Insekten wie Marienkäfer, Schwebfliegen und Schlupfwespen in die Blattlauskolonien einwandern und die Läuse vernichten. Wenn Blattläuse sich aber zu stark vermehren und Nützlinge nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind, helfen einfache für Natur und Mensch ungiftige Mittel.

Oft reicht es aus, die Blattläuse mit Wasser von der Pflanze abzuspülen, eine Spritzung mit Pflanzenseifen (z.B. Neudosan, Firma Neudorff) ist aber in der Regel hilfreicher. Zusätzlich empfiehlt sich der gezielte Einsatz von Nützlingen, die über gut sortierte Gartenfachgeschäfte oder das Internet zu beziehen sind. Der kurzfristig effektivste Nützling gegen Blattläuse ist die Larve der Florfliege (Chrysoperla carnea), die unter günstigen Bedingungen auch im Freiland einsetzbar ist. Die bei weitem preiswerteste Alternative stellt jedoch das Einsammeln von Marienkäfern im Freiland dar. Vor allem an Linden und Ahorn lassen sich im Frühjahr Marienkäfer und deren Larven in ausreichender Zahl einsammeln und auf die Tomatenpflanzen im Garten übertragen.

Auch gegen Weiße Fliegen und Spinnmilben stehen Nützlinge zur Verfügung. Vorraussetzung ist, dass die Schädlinge möglichst frühzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Gegen Weiße Fliegen im Gewächshaus empfiehlt sich der Einsatz der winzigen Schlupfwespe Encarsia formosa. Der effektivste Antagonist gegenüber Spinnmilben ist die Raubmilbe Phytoseiulus persimilis. Beide Nützlinge müssen allerdings gekauft werden. Auch Spritzungen mit Neudosan zeigen gegenüber Spinnmilben und Weißen Fliegen gute Wirkung.

Gegen Minierfliegen wird auch im Erwerbsgartenbau seit einiger Zeit fast vollkommen auf Insektizide verzichtet, weil mit den beiden Schlupfwespen Dacnusa spec. und Diglyphus spec. sehr wirksame Nützlinge zur Verfügung stehen. Auch diese beiden Nützlinge sind über den Handel oder das Internet zu beziehen. Bei einer kleinen Anzahl von Pflanzen reicht das Entfernen befallener Blätter völlig aus.

Wenn sich Tomatenstängel und Blattstiele gelb-braun färben, die Blätter beginnen, sich einseitig einzurollen, zu verfärben und schließlich absterben, handelt es sich häufig nicht um einen Pilzbefall, sondern um einen Schaden, der von den Tomatenrostmilben (Aculops lycopersici) verursacht wird. Bisher wurden diese extrem kleinen Milben nur im Erwerbsanbau unter Glas beobachtet, so dass hier kein Handlungsbedarf für private kleine Gärten besteht. Über die Bekämpfung der Tomatenrostmilbe mit Hilfe von Nützlingen ist bislang noch nichts bekannt der Einsatz von polyphagen Raubmilben, wie sie zur Bekämpfung von Thripsen eingesetzt werden, ist jedoch sehr vielversprechend.

Mitmachen bei der Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt

Wer sich an der Erhaltung der Sorten, die im Handel nicht erhältlich sind, beteiligen will, sollte Beschriftung und Beschreibung der Sorte korrekt vornehmen. D.h. die Namen des Saatguts, das man von Dritten erhalten hatte, sollten unbedingt beibehalten werden. Sie werden international geführt und nur in die jeweilige Landessprache übersetzt, wie beispielsweise ‚Kleine Gelbe’. Eine kurze Beschreibung der jeweiligen Sorte hilft bei der Auswahl der bevorzugten Sorten:

  • Farbe (hellgelb, orange, hell- oder dunkelrot, violettbraun, schwarz, grün, grüngelb, mehrfarbig)
  • Form (rund, flaschenförmig, oval, gerippt, gebuchtet, usw...)
  • Geschmack (mild, mehr Säure, Aroma in eigenen Worten beschreiben, dünne oder festere Schale)
  • Reifezeit (früh, mittel, spät)
  • Wuchsform der Pflanze (Busch- oder Balkontomate, Stabtomate mit unbegrenztem Wachstum, Starkwüchsigkeit), bei Cocktailsorten oft mehrtriebiger Zucht.
  • Größe und Gewicht der Früchte
  • Widerstandfähigkeit (gegen Pilzbefall) und Regenerationsfähigkeit nach leichterem Befall)
  • bevorzugter Anbaustandort (Freiland, geschützter Platz, Kübel, Gewächshaus)

Ihr Saatgut können Sie gerne dem VEN zur Verfügung stellen oder mit anderen Mitgliedern tauschen oder in der Saatgutliste des VEN mit anbieten. Die Endredaktion für die Liste findet jeweils bis ca. Ende eines Jahres statt. Pflanzenbörsen von VEN und BUND finden Sie auf unseren jeweiligen Internetseiten unter Terminen / Veranstaltungskalender:

www.nutzpflanzenvielfalt.de

 

BUND Veranstaltungskalender 2011 (nur Pflanzenbörsen und Offene Pforte)

Kontakt und Informationen zu Tomaten und Sortenvielfalt von Nutzpflanzen

  • BUND Region Hannover – Goebenstr. 3a, 30161 Hannover
    Tel.: (05 11) 66 00 93, bund.hannover@bund.net- www.bund-hannover.de
  • VEN – Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt
    (Bestellung Saatgutliste und Fachinformationen zur Nutzpflanzenvielfalt)
    c/o Ursula Reinhard, Sandbachstr. 5, 38162  Schandelah Tel.: (05306)1402, ven.nutz@gmx.de  -  www.nutzpflanzenvielfalt.de
  • Jungpflanzenanzucht und Früchte verschiedener alter Tomatensorten in der Saison: Nötel`s Grüne Theke GmbH Ippenstedter Strasse, 30982 Pattensen, Ortsteil Jeinsen  Tel.: (05066) 5328, noetel@arcor.de
  • NEU: Viele alte Tomatensorten als Jungpflanzen erhalten Sie bei Glendes Pflanzenparadies ,
    Göttinger Landstr. 81, 30966 Hemmingen,  Tel.: (0511) 422259
  • Biologischer Pflanzenschutz: Plant-Care, Pflanzenschutzberatung (Biologischer Pflanzenschutz, Einsatz von Nützlingen) –
    Dr. O. Berndt, Hannover - Tel.: (0511) 1614619,
    info@plant-care.dehttp://www.plant-care.de

Herausgeber: BUND Region Hannover, Goebenstr. 3a, 30161 Hannover
Text & Redaktion: Sibylle Maurer-Wohlatz, Ursula Reinhard und Dr. Oliver Berndt
April 2010



Hier ist noch der Veranstaltungskalender 2016 - für 2017 folgt er bald. Termine, die hier nicht aufgeführt sind, finden Sie unter "Aktuelle Termine", die kontinuierlich aktualisiert werden. Hier unsere Pflanzenbörsen 2017.

Arbeitsgruppe Garten naturgemäß

Kontakt: Klaus Hennemann
Tel.: 0511 / 69 22 52
Astrid Groß, Susanne Leibold, Sibylle Maurer-Wohlatz über Geschäftsstelle
Projekt Erhaltung Nutzpflanzenvielfalt: Sibylle.Maurer-Wohlatz@bund.net   

Treffen:
nach Vereinbarung in einem Garten eines Mitglieds der Arbeitsgruppe
Mehr über die Arbeitsgruppe erfahren Sie auch unter:

Insekten und Naturgarten

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