Nutzpflanzenvielfalt in Gefahr - EU Kommission plant neues Saatgutrecht

Wird der Saatguttausch bald illegal? Die EU-Kommission beabsichtigt, ganz im Interesse der Saatgutkonzerne, das EU-Saatgutrecht zu ändern. Parallel betreibt die Saatgutindustrie heftig Lobbying für neue Regeln, die kleine Samenhändler, Saatgut-Tauschmärkte, Baumschulen, bäuerliches Saatgut und somit die Sortenvielfalt massiv gefährden.

Der freie Tausch von Saat- und Pflanzgut zwischen Bauern und Gärtnern könnte damit bald strafbar werden. Nicht einmal gefährdete Sorten dürften ohne aufwändige amtliche Zulassung weitergegeben werden, wenn es nach den Interessen von Monsanto, Bayer und Co. geht. Die bisher diskutierten Pläne der EU-Kommission scheinen den Interessen der Saatgutmultis zu folgen.

Deshalb haben sich europaweit Verbände zusammengeschlossen, die sich mit drei Hauptforderungen im November 2013 in der "Europäischen Erklärung zum geplanten EU-Saatgutrecht" an die Europapolitiker zur Saatgutrechtsreform gewendet haben haben. Mit dabei ist auch unser Partner von Friends of the Earth aus Österreich "Global 2000", deren Position auch vom BUND unterstützt wird. Mit unterzeichnet haben Organisationen aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Österreich, Schweden, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Kroatien und der Slowakei.

  • Niemand darf genötigt werden, seinen Bedarf an Saatgut oder anderem „pflanzlichen Vermehrungsmaterial“ bei kommerziellen Anbietern zu decken.
  • Gesetzliche Vorschriften müssen auf jeden Fall die Rechte der BäuerInnen, GärtnerInnen und der lokalen Gemeinschaften berücksichtigen, ihr eigenes Saatgut und ihre Pflanzen anzubauen, auszutauschen und zu verkaufen, um in Einklang mit der internationalen Menschenrechtskonventionen und dem Internationalen Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (ITPGR-FA) zu stehen.
  • Es darf weder eine Pflicht zur Registrierung frei vermehrbarer Sorten, noch zur Zertifizierung von Saat- und Pflanzgut geben. Biologische Vielfalt sollte Vorrang vor kommerziellen Interessen haben, denn sie ist wie Wasser ein öffentliches Gut.

Arche Noah - Österreich

Überzeugende Argumente gegen eine Saatgutregulierung im Interesse der Konzerne hat Arche Noah aus Österreich ins Netz gestellt:

Wer sich international Kurzfilme und Videos zur Saatgutdiskussion anschauen will:

  • findet hier eine gute Auswahl

Ein erster Erfolg!

250 Änderungsvorschläge haben unsere Partner aus Österreich, GLOBAL 2000 und ARCHE NOAH erarbeitet, um die EU-Saatgutverordnung zu überarbeiten. Die EU-Abgeordneten konnten bis 11. Dezember ihre Änderungsvorschläge zum Kommissionsentwurf einreichen. Wir haben mit dutzenden Europaabgeordneten gesprochen. Nun setzen sich zahlreiche EU-Abgeordnete dafür ein, die Verordnung gänzlich abzulehnen und zur völligen Überarbeitung an die Kommission zurück zu schicken. Die Österreichischen VertreterInnen des Europaparlaments, Karin Kadenbach (SPÖ) und Elisabeth Köstinger (ÖVP), haben bereits einen Antrag auf Zurückweisung der Saatgut-Verordnung an die EU-Kommission gestellt. Auch im Umweltauschuss will man die Verordnung wieder bei der Kommission sehen.

Mittlerweile sind zahlreiche zivilgesellschaftliche AkteurInnen in anderen Ländern aktiv. Gemeinsam mit Saatgut-ErhalterInnen, ZüchterInnen, VertreterInnen kleinbäuerlicher Landwirtschaft und NGOs aus 20 europäischen Ländern haben wir die „Wiener Deklaration“ zum Erhalt der Vielfalt verfasst, die im Anschluss an die Tagung den Abgeordneten des Europaparlaments in ihrer jeweiligen Landessprache verschickt wurde. Die Abgeordneten sollten dadurch auf die geplante Saatgut-Verordnung und ihre verheerenden Folgen für die Vielfalt auf den Feldern und in den Gärten aufmerksam gemacht werden.

Überlassen wir es nicht der Saatgut-Industrie, zu entscheiden, was wir in Zukunft säen und ernten werden.

Mehr bei unserer Partnerorganisation unter: http://www.global2000.at/site/de/aktivitaeten/lebensmittel/freiheitvielfalt/

 

 

Verschenken Sie den Roten Heinz solange es noch geht.

Der „Rote Heinz“ ist eine echte regionale, alte Tomatensorte aus der Hannover-Region. Die Stammform "Heinz" ist weit verbreitet, aber in der Region Hannover in einer Gärtnerei, die es nicht mehr gibt, lange an unser Klima und unsere Böden angepasst worden und hat so den individuellen Namen erhalten. In der Nachkriegszeit hatte die Gärtnerei diese Sorte erfolgreich angebaut. Uns - also den Erhalterinitiativen in der Region Hannover und dem VEN - wurde das „letzte“ Saatgut dieser Sorte zur Erhaltung anvertraut. Doch nun könnte es sein, dass die Kommission der Europäischen Union den freien Tausch, den Anbau und die Regionalvermarktung dieser alten, nicht zugelassenen Sorten verbietet oder stark einschränkt und mit kaum zu händelnden Auflagen versieht. Parallel werden systematisch kleine Saatgutbetriebe von den Großkonzernen aufgekauft: 50 % des Saatgutmarktes für unsere Lebensmittel  - also Mittel zum Leben - wird heute weltweit von drei der sechs größten Saatgut- und Chemiekonzerne beherrscht, die zudem überwiegend Hybridsaatgut und gentechnisch verändertes Saatgut (99 % Mais in den USA) verkaufen und so mitbestimmen, was wir essen! Machen Sie mit bei der Erhaltung alter Gemüsesorten, die samenfest sind und machen Sie selber Ihr Saatgut, tauschen sie es und verschenken Sie es. Informieren Sie sich, was für neue Pläne die EU in diesem Jahr für die Neuregulierung der Saatgutgesetzgebung plant. Protestieren Sie ggf. gegen die Pläne der EU, wenn diese wieder planen, eine Saatgutgesetzgebung im Interesse der Großkonzerne auf den Weg zu bringen. Auch TTIP bedroht unser Saatgut. Hier der Flyer "Roter Heinz" dazu als pdf zum Download und zum Ausdrucken und Weiterverbreiten!
Saatgut erhalten Sie bei dem Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt ven.nutz@gmx.de 

Rettet die Ostfriesische Palme vor dem Kahlschlag!

Die Ostfriesische Palme ist eine traditionelle, alte Grünkohlsorte aus Ostfriesland. Sie wächst hoch – nicht ganz so hoch wie die Leuchttürme – aber schmeckt hervorragend in der Herbst- und Winterzeit. Wenn der Kohl im nächsten Frühjahr blüht, werden einige Pflanzen bis zum Ausreifen der Saat stehen gelassen. Es lohnt sich! Hier der Flyer "Ostfriesische Palme" zum Download, Ausdrucken und Weiterverbreiten.

Lieber ein Teufelsohr im Garten als Monsanto in der Tüte!

Das Teufelsohr ist eine alte Romana-Salatsorte mit lockeren Köpfen, schönem Aussehen und sehr robust. In Italien gibt es noch in vielen Dörfern eigene regionale Salatsorten – eine unglaubliche züchterische Vielfalt über Jahrhunderte bewahrt, die jetzt in Gefahr ist! Hier der Flyer "Teufelsohr" zum Download, Ausdrucken und Weiterverbreiten.

Verliebt in die Russische Schwarze - will mir die EU das verbieten?

Die „Russische Schwarze“ ist eine tolle, alte Tomatensorte, die durch die Sonne dunkel wird. Sie hat ein saftig, leckeres Aroma und ist recht robust gegen Kraut- und Braunfäule. Durch behutsame Selektion, Jahr für Jahr im Garten, werden die gesündesten Pflanzen beerntet zur Saatguterhaltung. Die Russische Schwarze hat eine kleine Fan-Gemeinde, die jedes Jahr wieder diese interessante Tomatensorte anbaut oder bei den Pflanzenbörsen von BUND und VEN ersteht. Hier der Flyer "Russische Schwarze" zum Download, Ausdrucken und Weiterverbreiten.

Wer weiß, ob die Schöne von Jeinsen noch lebt? Sie ist schon seit Jahren untergetaucht.

Die Schöne von Jeinsen war eine köstliche Birnensorte, die im kleinen Dorf Jeinsen (Pattensen) in der Hannover Region früher in vielen Gärten gestanden hat. Aber jetzt weilt sie wohl nicht mehr unter uns und wir haben nicht einmal ein Foto von ihr! Es hat sich wohl keiner mehr um sie gekümmert? Aber vielleicht kümmern Sie sich darum, dass unser Obstbaum-Kulturgut überleben kann! Hier der Flyer "Die Schöne von Jeinsen" als pdf zum Download zum Weiterverbreiten, Ausdrucken ....

Kinder lieben Long Pop Mix, denn jedes Korn poppt lustig fix!

Long Pop Mix ist ein alter mexikanischer Popmais mit vielen Varietäten und Farben. Getrocknet poppen die Körner hervorragend. Die kleinen Körner eigenen sich auch sehr gut als Kükenfutter. Die Sorte ist erstaunlich robust, hat schon leichte Bodenfröste überstanden und lange Trockenperioden und bringt dennoch an vielen Pflanzen bis zu 5 Kolben, die nach und nach abreifen und Reihe für Reihe durchgeerntet werden können. Die Indios verehrten den Mais, haben Rituale zur Aussaat und Ernte durchgeführt und Mais in einer Milpa-Mischkultur mit Kräutern, Amarant, Kürbis und Bohnen angebaut. Das garantiert eine hervorragende vollwertige Ernährung mit Eiweiß, Vitaminen, Mineralien und Kohlenhydraten. Hier der Flyer "Long Pop Mix" als pdf. zum Weiterverbreiten, Ausdrucken und Verteilen.

Bei mir im Garten steht der Rote Meier, der mag nicht gerne die Gifte von Bayer!

Der "Rote Meier" ist eine alte deutsche Amarantsorte. Er gibt Hunderte von Amaranten, die sowohl als Gemüse als auch - wie viele südamerikanische Amarantsorten - als Körner (Pseudogetreide) gegessen werden und extrem gesund sind. Die Inkas und Mayas verehrten Amrant als heilige Speise. Hier der Flyer "Roter Meier" zum Download zum Weiterverbreiten und Ausdrucken.



Arbeitsgruppe Garten naturgemäß

Kontakt: Klaus Hennemann
Tel.: 0511 / 69 22 52
Astrid Groß, Susanne Leibold, Sibylle Maurer-Wohlatz über Geschäftsstelle
Projekt Erhaltung Nutzpflanzenvielfalt: Sibylle.Maurer-Wohlatz@bund.net   

Treffen:
nach Vereinbarung in einem Garten eines Mitglieds der Arbeitsgruppe
Mehr über die Arbeitsgruppe erfahren Sie auch unter:

Insekten und Naturgarten

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