BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Schnecken im Garten - Biotipps für den Umgang mit Nackt- und Gehäuseschnecken im Garten ohne Gift und Schneckenkorn

Foto BUND: Weinbergschnecke im Garten frisst abgeschnittene, welke Mangoldblätter und verschmäht die lebendigen Pflanzen.

Wenn es in der warmen Jahreszeit regnet, werden die Schnecken aktiv, die sich während der trockenen Zeit versteckt im Boden oder im dichten Gebüsch vor Austrocknung schützen. Nachts fressen sich vor allem Nacktschnecken am Salat, Mangold und Kohl satt, aber auch an den zarten Spitzen von Dahlien, Tagetes und Zinnien. Deshalb sind sie in vielen Gärten nicht sehr beliebt und es wird ausgiebig Schneckenkorn gestreut. Doch dieses tötet auch die nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) unter Schutz stehende Weinbergschnecke und die wunderschönen, harmloseren Hain- und Gartenbänderschnecken. 

 

Natürliche Gegenspieler im Garten fördern

Bänderschnecke - wie schön die Natur sie gezeichnet hat

Die BUND Arbeitsgruppe Garten rät deshalb: Schneckenkorn ist weder ein Allheilmittel, noch gehört es in einen naturnahen, biologischen Garten. Ein natürliches Regulativ im Garten sind Igel. Sie sind ebenfalls wie Nacktschnecken nachtaktiv und fressen diese. Um Igel im Garten ein Heim zu bieten, können Verstecke für die Tiere angelegt werden wie zum Beispiel größere Altholzhaufen beim Kompost. Auch Amseln, Spitzmäuse, Laufkäfer, Zauneidechsen, Frösche und Kröten, die gerne einen Naturgarten bevölkern sind natürliche Feinde von Nacktschnecken. Hingegen schmeckt die eingeschleppte, auch tagaktive Spanische Wegschnecke (Arion lusitanicus) ganz offensichtlich auch dem Igel nicht, ebenso wird sie von Hühnern verschmäht. Hier hilft es, diese sehr gefräßige und vermehrungsfreudige Nacktschnecke zu überlisten, indem nahe den Lieblingsspeisen Holzbrettchen auf den Weg gelegt werden. Unter diesen verbergen sich Nacktschnecken nach der Mahlzeit mit Vorliebe, weil es dort feucht und dunkel ist. So lassen sie sich ganz bequem tags dort ablesen. Wenn dies alles nicht hilft, heißt es bei Regen oder im Dunkeln mit der Taschenlampe in den Garten zu gehen und Nacktschnecken von Blumen und Gemüse abzusuchen. In der Regel reicht es, gezielt die Pflanzen aufzusuchen, die bevorzugt gefressen werden. Eine weitere Möglichkeit ist es, die von Schneckenfraß bedrohten Pflanzen mit einem biologischen Spritzmittel einzunebeln. Dazu eignet sich der Extrakt vom Lebermoos. Lebenmoos hat eine biologische Abwehr gegen Schnecken entwickelt: "Prof. Dr. J.-P. Frahm vom Botanischen Institut der Universität Bonn hat nachgewiesen, dass Schnecken solcherart behandelte Pflanzen selbst dann meiden, wenn ihnen keine weitere Nahrungsquelle zur Verfügung steht. Der Schutz sollte nach starken Regenfällen erneuert werden. Die Lösung ist sehr ergiebig, einfach anzuwenden und kostengünstig" (aus Wikipedia 23.7.2012 zitiert).

Schneckenzaun

Foto BUND: Schneckenzaun

Wer etwas tiefer in die Tasche greifen will, kann sich für seinen Salat einen Schneckenzaun kaufen. Das hindert jedoch nicht vor Nacktschnecken, die zuvor in die Erde in genau diesem Fleck des Gemüsegartens ihre Eier abgelegt haben, die dann inmitten des Schneckenzauns schlüpfen. Mehr dazu unter http://www.schneckenzaun.com/

Natürliche Kreisläufe im Garten fördern ...

Weinbergschnecke früh morgens trinkend am Trog zur Freude des Betrachters

Fast alle diese Methoden schonen das Portemonnaie und auf jeden Fall die Natur und damit auch die wunderschönen, harmloseren Gehäuseschnecken aus der Familie der Schirkelschnecken, zu denen sowohl die geschützte Weinbergschnecke gehört als auch die Garten- und Hainbänderschnecke. Diese Tiere ernähren sich vornehmlich von pflanzlichen Abfällen, also verrottendem Grün. Weinbergschnecken lieben außerdem die Eier von Nacktschnecken als eiweißhaltige Nahrung.

... und sich an der Vielfalt erfreuen

Bänderschnecke in rosa Morphe an Johannisbeerstrauch. Sie schadet dem Busch nicht, im Gegenteil.

Die kleineren Bänderschnecken reinigen Pflanzen zudem von aufsitzenden Algen und Pilzen. Sie gehören zu einem intakten Gartenökosystem dazu und sollten unbedingt geschützt werden. Jung und Alt können sich an ihrer Schönheit und Vielfalt erfreuen: Sie kommen in verschiedenen Farben (Morphen) in unserer Naturlandschaft und in Gärten vor: von zart gelb, rosa bis hin zu weiß-braun-schwarz gebänderten Prachtexemplaren. Wie alle Gehäuseschnecken brauchen sie Kalk, um ihre Gehäuse aufzubauen. So helfen diesen nützlichen Tieren, wenn ein Naturgarten auch mit kalkhaltigen Steine gestaltet wird. Und ist nicht die Vielfalt der Bänderschnecke eine Bereicherung für die Naturbeobachtung im eigenen Garten?

Gegen jeden Kulturschädling ein Gift?

Hainbänderschnecken in wunderschöner Vielfalt

Manch eine Gartenlaube erinnert an leider an ein Chemielabor mit Herbiziden, Fungiziden, Insektiziden gegen jeden Kulturschädling. In den Gartenmärkten werden die Gifttheken intensiv frequentiert, leider oft zum Schaden von Mensch und Natur. Auch der Einsatz von Schneckenkorn kann, je nach Inhaltsstoffen, auch andere Tiere schädigen. Im Handel erhältliches Schneckenkorn kann das Gift Metiocarb enthalten. Es kann bei Haustieren oder Igeln zu tödlich ausgehenden Vergiftungen führen. Auch für kleine Kinder lauern hier Gefahren beim Verschlucken: Erbrechen, starker Durchfall, Atemnot können die Folge sein. Ein anderes Mittel ist Metaldehyd, das den Schnecken Wasser aus dem Körper entzieht. Dieses Granulat mit Metaldehyd ist aber auch für Warmblütler sehr giftig; es kann aber auch von Hunden mit schweren Folgen gefressen werden. Es gibt Alternativen ganz ohne Gift. Aber selbst das harmlose, im Boden natürlich vorkommende, auf Eisen-III-Phosphat basierende Schnecken-korn, wirkt nicht nur selektiv auf Nacktschnecken, sondern auch die nützlichen und schönen Gehäuseschnecken tödlich. Fazit des BUND: Gift gehört nicht in den Garten!

Literaturtipps und Websites zum Thema

Buchempfehlungen:
Peter Leonhard „Snailwatching – Die Entdeckung der Behutsamkeit – Von Schnecken und Menschen“, Engelsdorfer Verlag 2007
Tipps zur Vorbeugung im Naturgarten: Abtei Fulda „Wenn die Schnecken kommen“
ISBN 3-924201-43-9 - www.abtei-fulda.de

Websites zum Thema:
de.wikipedia.org/wiki/Schneckenkorn
www.hausdernatur.de/images/stories/nacktschnecken/arion.pdf
pub.jki.bund.de/index.php/JKA/article/view/163/142
Zur Toxidizität von Metaldehyd:
www.vetpharm.uzh.ch/reloader.htm

Bei Rückfragen: bund.hannover@bund.net

Quelle: http://region-hannover.bund.net/themen_und_projekte/naturgarten/schnecken_im_garten/