Bauernhöfe statt Agrarfabriken

BUND Briefaktion an Ministerin Aigner für ökologische Neuausrichtung der Agrarpolitik

Lieben Sie Spaziergänge entlang blühender Felder und Wiesen? Legen Sie Wert auf ein bezahlbares sauberes Wasser? Greifen Sie beim Einkauf zu regionalen Erzeugnissen, wie Käse oder Schinken direkt vom Erzeuger und immer öfter auch mal ins Biofach? Dann wissen Sie, was Bauern leisten können – außer Massentierhaltung, Überdüngung und Überschussproduktion.

Ob und wie viele Landwirte im Einklang mit Umwelt, Natur und Tierschutz besonders gesunde und regionaltypische Lebensmittel erzeugen können, hängt auch davon ab, wie in Brüssel die Subventionen für die Landwirtschaft der EU verteilt werden. In den kommenden Monaten wird die Position der Bundesrepublik Deutschland für die Agrarpolitik der EU von 2014 bis 2020 festgelegt. Ilse Aigner versicherte dem Deutschen Bauernverband bereits: „Keine Angst, wir machen so weiter!“ Dies bedeutet, dass sie die bisherige Förderpolitik der EU beibehalten will.

Hier der Brief an Bundesministerin Aigner

Mehr Informationen rund um das Thema: BUND Broschüre Agrarsubventionen umverteilen - Vielfalt fördern

Agrarsubventionen - Millionen für Millionäre

Agrarhaushalt 2010, Gesamt: 59,4 Mrd. Euro

Frau Aigner will auch künftig  jährlich ca. ein Drittel der Fördergelder von 5,8 Milliarden der insgesamt ca. 7 Milliarden Euro an Agrarkonzerne - wie u.a. die Südzucker AG, die August Storck KG, Tönnies-Fleisch, Rethmann und Nordmilch - als pauschale Direktzahlungen überweisen. Es werden zur Zeit pro Hektar 340 € EU-Fördermittel gezahlt. Dagegen entstehen lediglich 20 € für Mehraufwendungen für die Einhaltung von Mindeststandards, die ein deutscher Bauer gegenüber Nicht-EU-Kollegen hat. Eine an die Zahlung gebundene wirksame Anhebung dieser Minimalstandards für den Klima-, Umwelt-, Natur- und Tierschutz ist allerdings nicht geplant.  Dabei verursacht die deutsche Landwirtschaft allein ca. 13 Prozent aller Treibhausgase und damit fast so viel wie der gesamte Straßenverkehr. Trotzdem existieren keine Ziele zur Senkung der Klimagase. Im Gegenteil, Investitionsförderungen sollen den Bau von Mega-Mastställen anheizen. Oft werden diese komplett von Fleischkonzernen gemanagt. Landwirte sind dabei nur noch abhängige, billige Arbeitskräfte, die ihre Felder für Ställe zur Verfügung stellen. Statt mit Ackerbohnen, Erbsen und Klee werden die Tiere mit Gen-Soja aus Brasilien und Argentinien gemästet. Dort wird für den Anbau der Regenwald abgeholzt und damit der Klimawandel beschleunigt.  

Massentierhaltung

Der tierquälerische Umgang mit unseren Mitgeschöpfen ist beschämend und steht uns nicht zu; Tierschutzregeln werden völlig außer acht gelassen.

Der Europäische Rechnungshof  votiert gegen Überproduktionen, da wir alle die Agrarsubventionen, die Lagerkosten und die enormen Kosten für Umweltschäden bezahlen müssen. Prognosen für die Entwicklung des Weltmarktes besagen zudem, dass andere Länder zunehmend die eigene Landwirtschaft ausbauen und die Nachfrage aus der EU nachlassen wird. Unsere Landwirtschaft wird damit in eine Sackgasse geführt. Der Export der über unseren Bedarf hinaus gemästeten Hühner und Schweine wird trotzdem massiv gefördert. Auch der Zusammenbruch der heimischen Märkte und die Vernichtung von kleinbäuerlichen Strukturen in Afrika und anderen Teilen der Welt wird dabei billigend in Kauf genommen.  Dies alles, obwohl sich Kanzlerin Angela Merkel offiziell die Bekämpfung des weltweiten Hungers auf die Fahnen geschrieben hat.

Die Folgen der Massentierhaltung zeigt u.a. die WDR-Reportage der Reihe "die Story" unter dem Titel "Hühnerwahnsinn": http://www.wdr.de/tv/diestory/sendungsbeitraege/2010/0315/index.jsp


Frankfurter Rundschau, Kolumne 2.2.2010


Verlust der Artenvielfalt und Trinkwasserverunreinigung

Auch für den Verlust der Artenvielfalt ist die intensive Landwirtschaft maßgeblich mit verantwortlich. Die Überdüngung der Böden, Pestizide, Monokulturen und riesige Felder ohne Baum und Strauch lassen der Artenvielfalt keine Chance. Nur ein gesunder Boden mit einer Vielzahl an Kleinlebewesen und mit ausreichend Humus kann optimal den Regen filtern und für sauberes Grundwasser sorgen. Bereits heute ist an jeder 5. Messstelle in Niedersachsen das  Wasser so stark mit Nitrat belastet, dass es nicht zum Trinken geeignet ist. Für 61 % der Gesamtstickstoffemissionen in Gewässern ist die intensive Landwirtschaft verantwortlich. Dennoch werden keine Mindeststandards für die Überdüngung und den Pestizideintrag in die Böden erlassen und der Bau von Mega-Mastställen durch Landwirtschaftskammern und Landwirtschaftsministerien stark gefördert.

Überdüngung – Quellen und Folgen

Niedersachsen ist die Hochburg der Massentierhaltung in Deutschland. Das Grundwasser an fast jeder 5. Messstelle ist derart stark mit Nitrat belastet, dass es nicht mehr zum Trinken geeignet ist. 85 Prozent des Trinkwassers wird in Niedersachsen aus dem Grundwasser gewonnen. Dennoch genehmigen die Behörden gerade in der Region von Elbe, Weser und Ems die meisten neuen Massentierhaltungen im Bundesvergleich. Quellen: Sachverständigenrat für Umweltfragen, SRU 2009 und Niedersächsisches Ministerium für Umwelt und Klimaschutz

Nur eine intakte Vielfalt an wilden und kultivierten Pflanzenarten bietet Insekten wie den Bienen und Hummeln eine ausreichende und gesunde Futtergrundlage. Fehlen diese Insekten, gehen die Erträge mangels Bestäubung massiv zurück. Die Artenvielfalt zu erhalten ist eine existenzielle Aufgabe für uns Menschen. Der Verlust der Artenvielfalt und von sauberem Grundwasser kommt uns teuer zu stehen.

EU-Fördergelder müssen in Zukunft an eine die Belange der Umwelt, der Natur und der Tiere schützende Landbewirtschaftung geknüpft werden. Nur Landwirte, die aktiv die Umwelt schützen, dürfen dafür mit unseren Steuern entlohnt werden.  

Weltagrarbericht

Vier Jahre haben über 500 WissenschaftlerInnen aller Kontinente und Fachrichtungen im Auftrag der Vereinten Nationen und der Weltbank an der Lösung der Frage gearbeitet:

Wie können wir durch die Schaffung, Verbreitung und Nutzung von landwirtschaftlichem Wissen, Forschung und Technologie Hunger und Armut verringern, ländliche Existenzen verbessern und gerechte, ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Entwicklung fördern?

Das Ergebnis ihrer Arbeit ist der Weltagrarbericht (http://www.agassessment.org/  bzw. www.weltagrarbericht.de). 62 Staaten haben ihn unterzeichnet. Eine zentrale Botschaft des Weltagrarberichtes lautet: „Hunger ist vor allem ein ländliches Problem und kann nachhaltig nur vor Ort überwunden werden“. Hierbei ist zu klären, wie mit den vor Ort verfügbaren Mitteln der optimale Ernährungsertrag einer Fläche bei minimalem Ressourcenverbrauch zu erzielen ist. Das Ziel ist die Ernährungs-Souveränität, das Recht und die Möglichkeit, sich und seine Gemeinde selbst bestimmt mit ausreichender und gesunder Nahrung zu versorgen. Billigfleisch aus Europa oder anderen Teilen der Welt ist lt. Bericht keine Lösung. Es verschärft die Lage.

31 Prozent aller Klimagase schreibt der Weltklimarat (IPCC) unmittelbar der Landwirtschaft und der von ihr verursachten Landnutzungen zu. Hinzu kommen die in anderen Sektoren (Industrie, Transport, Energieporduktion und Abfall) enhaltenen Anteile der Lebensmittelproduktion und ihres Verbrauchs. Der Weltagrarbericht fordert daher eine klimafreundliche Agrarwende.

Zukünftige Agrarpolitik

Auch der von der Bundesregierung seit 1971 eingesetzte Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) kam am 15.01.2010 in einer Aktuellen Stellungnahme zur Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolik (GAP) der EU (www.umweltrat.de) zu dem Ergebnis, dass eine ökologische Neuausrichtung der Agrarpolitik erforderlich ist.

„Die europäische Agrarpolitik ist nicht mehr zeitgemäß. Öffentliche Gelder dürfen in Zukunft nur noch für öffentliche Ziele eingesetzt werden, insbesondere für Umwelt- und Naturschutz. Die Milliardenförderung der Landwirtschaft vornehmlich zur Einkommenssicherung großer Betriebe ist nicht zu rechtfertigen“, erklärte Frau Prof. Dr. Karin Holm-Müller, Ökonomin in Bonn und Mitglied des SRU.


Frankfurter Rundschau vom 2.2.2010: Aigner im alten Trott


Da die derzeitige Agrarförderung 2013 ausläuft, müssen jetzt die Weichen für die zukünftige Gestaltung der EU-Agrarpolitik gestellt werden. Trotz der Ergebnisse des Weltagrarberichtes und des eigenen Sachverständigenrates will die Bundesregierung an dem alten Förderstil festhalten. Die Lösung der zentralen Probleme des 21. Jahrhunderts, der Klimawandel, der Verlust der Artenvielfalt und die Lösung des Hungerproblems in weiten Teilen der Welt bleiben damit leere Absichtserklärungen. Die Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hat sich beim Deutschen Bauernverband mit ihrer Ankündigung, sich für eine starke 1. Säule und eine gut ausgestattete 2. Säule der EU-Förderung für die Agrarindustrie und damit weiterhin gegen die nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft ausgesprochen. Sie will  40 der insgesamt 60 Milliarden Euro Fördergelder in Europa direkt auszahlen und so viele Industrievertreter mit Millionenbeträgen bedienen, ohne als Gegenleistung wesentlichen Einfluss auf die tierquälerische und umweltschädigende Erzeugung der Produkte zu nehmen.

Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“

Wir können und wollen dies nicht hinnehmen!

Mit der Genehmigung der Hühnergroßschlachterei in Wietze (Kreis Celle) hat  die Zukunft bereits begonnen. In Wietze ist der Bau einer Hühnergroßschlachterei genehmigt worden. Um den Schlachtbetrieb zu gewährleisten, müssen im Umkreis von 100 km ca. 420 neue Hühnermastställe mit jeweils knapp 40.000 Tieren errichtet werden, da in Wietze bis zu 2,5 Millionen Tiere pro Woche geschlachtet werden sollen. Weitere Massentierhaltung folgt.

In Wennigsen am Deister (Region Hannover) soll in einem Landschaftsschutzgebiet ein Maststall für 1.936 Schweine gebaut werden. Bei all diesen Ställen handelt es sich um privilegierte Vorhaben, für deren Umsetzung die Landesregierung bereits gesetzliche Hemmnisse – wie die Waldabstandsregelung – beseitigt hat.

Der BUND hat sich daher mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), dem Deutschen Tierschutzbund, ProVieh, NEULAND und 70 weiteren Gruppen zum Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ zusammen geschlossen (www.bauernhoefe-statt-agrarfabriken.de) und ein Positionspapier erarbeitet.  

Brief an Bundesministerin Aigner

Damit auch Ihre Meinung Gewicht hat, schreiben Sie Ministerin Aigner.

Hier finden Sie den Musterbrief.



  • Direkt zur Online-Spende, Foto: eyewire / fotolia.com
  • Direkt zum Online-Antrag, Foto: eyewire / fotolia.com

Ihre Spende hilft!

Mauersegler und Co

Mehr zum Schutz Gebäude bewohnender Arten und zum  Mauerseglerschutz

Suche