Warum Fledermäuse durch Wärmedämmung an Fassaden und im Dachbereich besonders bedroht sind

Gebäude bewohnende Fledermausarten sind beispielsweise die Zwergfledermaus oder die Breitflügelfledermaus. Aber auch viele andere Fledermausarten können an Gebäuden wohnen.

Auch Mausohren gehören dazu: Sie besiedelten große Dachböden von Kirchen, Klöstern und Schlössern. Ihre Bestände sind jedoch in den letzten 40 Jahren stark zurückgegangen. Ursachen für ihren extremen Rückgang waren vor allem Nahrungsmangel durch den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft; die Vergiftung durch Holzschutzmittel in Gebäudequartieren und die Vernichtung von Quartieren durch Dachdeckarbeiten.

Fledermauskot auf Fensterbank (oben), Quartier in Fenstermulde (unten),
Fledermauskot auf Fensterbank (oben), Quartier in Fenstermulde (unten),

Woran erkenne ich Fledermausquartiere an Gebäuden?

Ein Hinweis auf Fledermäuse an Gebäuden sind kleine, längliche Krümel, die dicht an der Hauswand oder auf Vorsprüngen wie Fensterbrettern liegen (Abb.1). Es handelt sich um Kotkrümel, die die Tiere beim Aus- oder Einflug fallen lassen. Diese Krümel sind trocken und nahezu geruchlos. Wenn man sie zwischen zwei Fingern zerdrückt, zerfallen sie in kleine glänzende schwarze Partikel, die zerkleinerten Chitinpanzer der Insekten, die von den Fledermäusen in der Nacht erbeutet wurden. Fledermauskot ist ungefährlich und kann als Blumendünger für Zimmerpflanzen und Balkonpflanzen verwendet werden.

Kaum sichtbar in nur winzigen Ritzen können Fledermäuse versteckt sein. Hier ein Quartier direkt in einer Fenstermulde, rechts oben zu sehen.

Fledermauskot hinter abgenommener Attika
Fledermauskot hinter abgenommener Attika

Besonders beliebt ist die Attika von Gebäuden: Die Tiere kriechen unter die Attika und suchen sich dort geeignete Stellen. Auch Winterquartiere können sich unter einer Attika befinden. Auf dem Foto ist der Fledermauskot zu erkennen, nachdem die Attika abgenommen wurde. Für die Attika gibt es Lösungen, die Fledermausquartiere zu erhalten oder an derselben Stelle Ersatz zu schaffen.

Warum Fledermäuse durch Wärmedämmung an Fassaden und im Dachbereich besonders bedroht sind und was dagegen getan werden kann

Bei Sanierung und Wärmedämmung von Fassaden und Dächern gehen viele Fledermaus-Quartiere verloren, weil die Zugänge verschlossen werden oder weil der Hohlraum durch die Maßnahme verschwindet. Im schlimmsten Fall werden die Tiere lebendig eingemauert. Ein weiteres Problem ist, dass die Wärme nach erfolgter Dämmung im Inneren des Gebäudes gehalten wird, außen jedoch, wo die überwinternden Fledermäuse sitzen, wird es nicht mehr ausreichend warm, sodass das Quartier bei strengem Frost nicht mehr für den Winterschlaf geeignet ist.

Einbau eines Ganzjahresquartiers (oben) Foto: Herr Schwegler, Einbau von Fledermaussteinen in Klinkerfassade (unten) Foto: Klaus Hasselfeldt

Daher sollten an neu gedämmten Gebäuden, wenn dort Ersatz geschaffen wird, möglichst nur qualitativ hochwertige und frostfeste Fledermaus-Ganzjahresquartiere angebracht werden.

Bei Renovierungsmaßnahmen muss auf die gesetzlich streng geschützten Tiere Rücksicht genommen werden. Ihre Quartiere dürfen nicht verschlossen oder vernichtet werden. Wenn Fledermaus-Quartiere von Baumaßnahmen betroffen werden, muss bei der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden. Diese kann mit Auflagen verbunden sein.

In Zusammenarbeit mit dem Bauherrn wird versucht, die Beeinträchtigung der Tiere so gering wie möglich zu halten, Quartiere und Quartiereinflüge zu erhalten oder Ersatzquartiere zu schaffen. Dafür ist es erforderlich eine/n Fachgutachter/in zu Rate zu ziehen. Der BUND oder die Untere Naturschutzbehörde hilft Ihnen bei der Vermittlung.

Im Handel werden heute eine Anzahl verschiedenartiger Kästen angeboten, die sich für die Anbringung auf der Fassade eignen (Abb.3) oder für den Einbau in die Wärmedämmung. Das Material der Kästen kann Holz oder Holzbeton sein. Fledermausspaltenquartiere aus Holz lassen sich selbst bauen. Sie sollten die Eigenschaft haben, Feuchtigkeit auf- und abzugeben. Vermieden werden sollten Materialien, die trocken sind und bei Bewegung im Quartier Abrieb/Staub erzeugen. Die Fledermäuse benötigen eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit. Die Kästen können in der Fassadenfarbe gestrichen werden und fallen dann kaum noch auf. Meist reicht ein Fledermauskasten für eine ganze Fledermaus-Kolonie aus.

Da die Tiere je nach Jahreszeit und Witterung unterschiedlich besonnte Quartiere brauchen, ist es günstig, an mehreren Seiten des Hauses Kästen anzubringen. Im Handel gibt es Sommer-, Winter- und Ganzjahresquartiere . Die dargestellten Quartiere sind „Spaltenquartiere“ für Spalten bewohnende Arten am Gebäude. Die Einflugsbereiche sind rau, um den Tieren das Hineinkrabbeln zu erleichtern. Die raue Innenwand dient zum Festhalten. Durch die eingebaute Kotschräge sind die Kästen selbstreinigend.

Um Dachräume für Fledermäuse zu öffnen oder weiterhin zugänglich zu machen, kann ein Einflugsbereich im ungenutzten Dachraum offen gelassen werden. Optisch aufgewertet werden kann der Einflug durch eine Fledermaussilhouette mit Einflugöffnung.

Fledermaussilouette der Firma Strobel
Fledermaussilouette der Firma Strobel

Eine Anleitung zum Selbstbau eines Fledermausbretts aus unbehandeltem Holz als Sommerquartier erhalten Sie auf Anfrage beim BUND Region Hannover.

Bei Problemen hilft die Untere Naturschutzbehörde oder der BUND Region Hannover weiter:

Region Hannover - Naturschutz - Team Region West
Tel.: (0511) 616-22618 E-Mail: Bernd.Rittberg@region-hannover.de

Region Hannover - Naturschutz – Team Region Ost einschließlich LH Hannover:
Tel.: (0511) 616 – 22672 E-Mail: Gerhard.Weiss@region-hannover.de

BUND Region Hannover (05 11) 66 00 93 E-Mail: bund.hannover@bund.net



  • Direkt zur Online-Spende, Foto: eyewire / fotolia.com
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Arbeitsgruppe Fledermäuse

Kontakt:

Dipl. Biol. Elke Mühlbach

0511 / 66 00 93 (Geschäftsstelle)

Treffen:

Jeden ersten Dienstag im Monat um 19.00 Uhr meist in der Geschäftsstelle (evtl. telefonisch nachfragen) und jeden weiteren Dienstag bei Sonnenuntergang im Gelände.

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