Zum Begriff "Terra Preta"

Foto: A. Preißler-Abou El Fadil

Der Begriff „Terra Preta“ stammt aus dem portugiesischen und bedeutet „schwarze Erde“. Terra Preta do indio bezeichnet die anthropogenen Böden der indigenen Völker Amazoniens, die seit den 70er Jahre des 20. Jahrhunderts erforscht wurden.

Terra Preta-Böden - Landbewirtschaftungssystem alter Völker

Das Vorkommen der Terra Preta-Böden wurde in den tropischen Klimazonen Amazoniens, Afrikas und Asiens nachgewiesen. Aber auch in den gemäßigten Zonen konnten solche anthropogenen Schwarzerden, die sogenannten "Nordic Dark Earth", nachgewiesen werden. Eine Fundstelle befindet sich im Wendland, ganz in der Nähe eines mittlerweile abgeschlossenen, dreijährigen Versuchs der Universität Halle mit unterschiedlichen Pflanzenkohle-Komposten. 

Aus der Erforschung Terra Preta-Böden in Amazonien (Brasilien) wissen wir, dass diese von Menschen gemacht wurden; also anthropogenen und nicht natürlichen Ursprungs sind und damit anders als die durch Steppenbrände entstandenen Schwarzerden Osteuropas. In den bis zu 2 Meter mächtigen Schwarzerden werden in allen Schichten Hinterlassenschaften der alten Kulturen gefunden und durch Marker der Nachweis auf menschliche Fäkalien erbracht. Das Besondere dieser Terra Preta - Böden ist, dass sie bis heute sehr fruchtbar sind im Gegensatz zu den ansonsten in den Tropen völlig nährstoff- und humusarmen Ferrosolen.

Die Kohle allein macht es nicht!

Die besondere Fruchtbarkeit der Terra Preta - Böden erklärt sich auch aus dem ganzheitlichen Aspekt dieser alten Kulturtechnik einer über Generationen entwickelten Misch- und Waldgartenkultur der alten Völker in Verbindung mit dieser stark durch Nährstoffe angereicherten Pflanzenkohle und einem Boden, dem kontinuierlich über Jahrhunderte frisches organisches Material als Mulch sowie neben Asche und Pflanzenkohle, Knochen, Gräten und tierischer und menschlicher Urin und Kot zugefügt wurde. So entstand ein in sich geschlossener organischer Stoffkreislauf, der bis heute wirksam das Pflanzenwachstum fördert. 

Die uns so unberührt anmutenden Wälder Amazoniens waren einmal in großen Teilen auch Kulturlandschaften, jedoch ohne dass die Artenvielfalt und Reichhaltigkeit dieser Regenwälder zerstört wurde. In und mit der Natur zu leben: Davon können Menschen in aller Welt noch heute lernen. In den Waldgärten konnte offensichtlich so viel Gemüse und Obst produziert werden, dass große Städte an den Flüssen Amazoniens entstanden sind. Es konnten also durch ein besonders durchdachtes intensives Waldgartensystem in verschiedenen Etagen (Wurzelgemüse, Milpa-Mischkultur, halbhohe Obstbäume, Schattenbäume, Nüsse, Lianen) ein Überschuss an Nahrungsmitteln rund um das Jahr erzeugt werden und dank der fruchtbaren Terra Preta-Böden sehr nachhaltig: 

Die Holzkohle war wahrscheinlich ein "Abfall-"produkt beim Kochen mit Holz und beim kontrollierten Abbrennen von Unterholz. Zusammen mit der Asche wurde diese wertvolle Pflanzenkohle von den alten Völkern wahrscheinlich auch zur Hygienisierung von Fäkalien in den großen Urwaldsiedlungen genutzt. Die Zugabe von Pflanzenkohle und eine durch Milchsäurebakterien angeregte Fermentation kann die Vermehrung von Krankheitserregern vermeiden, indem ein Milieu geschaffen wird, in dem sie sich nicht weitervermehren können. So konnte möglicherweise der Ausbreitung von Krankheitserregern und damit Seuchen vorgebeugt werden, denn wie hätten sich sonst Siedlungen mit so vielen Einwohnern im tropischen Amazonasklima entwickeln können?

Bei der Erforschung der Terra Preta - Böden wurden viele, sehr große Tonkrüge gefunden. Diese dienten diese neben der Aufbewahrung und Konservierung von Lebensmittel auch dazu, Exkremente und organische Abfälle zu sammeln, angereichert mit Kohle. Möglicherweise spielte dabei auch die Fermentation durch Milchsäurebakterien eine Rolle; so ist es bis heute Brauch in indigenen Gemeinden, fermentierte Getränke in Krügen herzustellen und sich bei der Mutter Erde mit einem Schuss fermentierten Chicha-Getränkes zu bedanken. Die Fermentation ist eine uralte Kulturtechnik, um Lebensmittel zu konservieren (Sauerkraut). So ist es naheliegend, dass die Fermentationstechnik auch für die Behandlung von Fäkalien eingesetzt wurde. 

Über Generationen hatte sich so eine Kulturtechnik entwickelt, die mit aufgeladener Pflanzenkohle und einer perfekten organischen Kreislaufwirtschaft besonders fruchtbare Böden mit einem sehr hohen Humusgehalt ermöglicht hat. Dieses Wissen im Einklang mit der Natur und ohne Agrochemie zu gärtnern könnte heute eine Chance zur Ernährungssicherung vieler Völker mit bäuerlich, ländlichen Strukturen sein und vielleicht auch Chance im Rahmen von Urban Gardening noch höhere Erträge für die Ernährung der Menschen in großen Städten zu erzielen.

Bedeutung der Humusschicht

Bild Quelle: Gharib

Auf jedem Boden stellt sich unter natürlichen Bedingungen mit der Zeit ein für den Standort typischer Humusgehalt, also ein Gleichgewicht zwischen Streueintrag und -umsatz, ein. Dieser hängt von der Bodenart, dem vorherrschenden Klima, dem Wasserhaushalt bzw. der Niederschlagsmenge und der jeweiligen Vegetation ab.

Durch starke ackerbauliche Nutzung der Böden wird das Gleichgewicht zwischen Streueintrag und –umsatz jedoch meist empfindlich gestört, was zum Abbau der Humusschicht führt. Die durch den Klimawandel ansteigenden Temperaturen fördern den mikrobiellen Abbau, was wiederum eine höhere CO2-Emission aus dem Boden zur Folge hat. Auch andere anthropogene Einflüsse lassen die Humusschicht schrumpfen. Durch den langjährigen Anbau zehrender Monokulturen wie Mais oder Getreide verarmt der Boden an Nährstoffen. Um weiterhin anbauen zu können, ist eine Düngung des Bodens meist unumgänglich, weil der Boden seine natürlichen  Funktionen weitestgehend verliert, werden Nährstoffe kaum gebunden und gelangen über das Sickerwasser in das Grundwasser.

Der Einsatz von großen, schweren  Maschinen führt zu einer Verdichtung des Bodens, wodurch  Durchwurzelbarkeit und  Durchlüftung eingeschränkt werden. Auch die nutzbare Feldkapazität sinkt, da die Pflanzen in den Feinporen (ᴓ < 0,2µm) gespeichertes Wasser nicht erreichen können.

Die  Humusbilanz ist von Zufuhr und Umsatzrate der organischen Substanz abhängig. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Art der organischen Substanz.  Zuerst werden leicht zersetzbare Inhaltsstoffe wie Zucker und Stärke abgebaut. Darauf folgt der Umsatz von Pektinen und Cellulose. Der Abbau von Lignin erfolgt sehr langsam, da es nicht als C- oder Energiequelle dient. Sofern eine C-/Energiequelle vorhanden ist, wird Lignin hauptsächlich durch pilzliche Organismen abgebaut. So kann es zu einer relativen Anreicherung von Lignin im Vergleich zu anderen Substanzen im Oberboden kommen. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch die Lebensbedingungen für Makro- und Mikroorganismen. Für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und der Ertragssicherung ist Humus somit von großer Bedeutung. Bis sich auf ausgelaugten Böden wieder ein Gleichgewicht zwischen Eintrag und Abbau der organischen Substanz, also eine stabile Humusschicht einstellt, werden vermutlich einige Jahre vergehen. Wenn aber auch in Zukunft genug Nahrungsmittel für eine wachsende Weltbevölkerung  produziert werden sollen, ist, vor allem in Hinblick auf die Endlichkeit der Ressourcen, ist der Aufbau und Erhalt gesunder Böden von größter Bedeutung.

 

 



Hier ist noch der Veranstaltungskalender 2016 - für 2017 folgt er bald. Termine, die hier nicht aufgeführt sind, finden Sie unter "Aktuelle Termine", die kontinuierlich aktualisiert werden. Hier unsere Pflanzenbörsen 2017.

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