Wildbienen: Emsige Sammler

Weibliche Frühlingspelzbiene an Stiefmütterchen
Weibliche Frühlingspelzbiene an Stiefmütterchen

Nachfolgend eine eher zufällige Auswahl der bei uns in der Region Hannover vorkommenden solitären Wildbienen. Die oft sehr deutlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden im folgenden nur in Ausnahmefällen berücksichtigt. Nur so viel:

Männchen sind meist etwas kleiner, schlanker und langfühliger. Ihr "Gesicht" ist häufig weiß- oder gelblich gefärbt. Sie kümmern sich nicht um den Nachwuchs und brauchen deshalb auch keine Vorrichtung zum Pollensammeln. Die weiblichen Wildbienen sind dagegen alle emsige Sammler, die außer Nektar auch noch Pollen ins Nest eintragen. Um an einem Beispiel zu zeigen was sich in einer Wildbienen-Brutröhre alles abspielt:

 

Was tut sich in der Röhre?

Die Rostrote Mauerbiene sucht eine bis zu 10 cm lange und 6-7 mm weite Niströhre, in die sie bis zu 30 Zellen hintereinander anlegen kann. In die hinteren Zellen legt sie befruchtete Eier, aus denen später Weibchen schlüpfen. Jede Zelle wird mit einem Pollen- und Nektarklumpen versorgt, bevor das Ei abgelegt und die Zelle mit einem Lehm-Speichel-Gemisch verschlossen wird. In die vorderen Zellen mit den unbefruchteten Eiern wird weniger Proviant eingebracht, da die Männchen früher schlüpfen und auch erheblich kurzlebiger sind (was übrigens für alle Arten gilt). Sobald die Weibchen auftauchen, finden die Paarungen statt und der Zyklus beginnt aufs Neue.

Frühlings-Pelzbiene, Anthophora plumipes

März bis Mitte Juni. Erinnert mit ihrem 14 mm, dem dichtem Pelz, der pummeligen Figur und dem lauten Fluggeräusch an eine Hummel. Der rasante Flug gleicht jedoch eher dem von Kolibris oder Libellen. Das Foto zeigt eine männchliche Pelzbiene. Die Weibchen graben sich Gänge in Steilwände (Lehm) und hinterlassen einen weiß gefärbten Verschluss. Häufig auch in Nisthilfen.
Parasiten: Trauerbienen, Pelzbienenölkäfer, Trauerschweber.

Gemeine Sandbiene, Andrena flavipes

Eine von über 100 Sandbienenarten in Deutschland. April bis August. Der Honigbiene ziemlich ähnlich, aber mit stärker betonten hellen Streifen am Hinterleib. Häufig. Gräbt sich Niströhren in sandige oder lehmige Böden. Das Foto nahm Eckhard von Holdt am Kronsberg auf. Parasit: Wespenbienen.

Weiden-Sandbiene, Andrena vaga

Dieses (weibliche) Exemplar wurde zwar nahe Helstorf abgelichtet, Weiden-Sandbienen sind jedoch auch in der Region überall relativ häufig, wo es Weiden und Sandböden gibt. Die Männchen fliegen schon Ende Februar, die Weibchen ab Mitte März. In geeignetem Gelände entstehen oft große Kolonien mit hunderten Bodennestern, die nach jedem Sammelflug wieder zugescharrt werden. Das hilft freilich wenig gegen die Wespenbiene Nomada lathburiana.

Rotschopfige Sandbiene, Andrena haemorrhoa

Dieses Bienchen sonnt sich am Burgberg bei Bevern auf einer Frauenschuhblüte. Die Art ist jedoch auch in der Region gut vertreten, zumal sie in vielen verschiedenen Lebensräumen vorkommt und nicht auf bestimmte Blüten angewiesen ist. Sie ist von April bis Juni aktiv. Ihr Kuckuck ist die Wespenbiene Nomada ruficornis.

Zweifarbige Sandbiene, Andrena bicolor

Eine häufige, schon im März fliegende Sandbiene, die in frischem Zustand an ihrer rotbraunen Brustoberseite, den schwarzen Gesichtshaaren, hellen Tergitbinden und den braungelben Beinbürsten relativ gut erkenntlich ist. Gräbt ihre Niströhren bis zu einem Meter tief (!) in die Erde und stellt dabei keine Ansprüche an die Bodenstruktur. Zwei Generation im Jahr, wobei die 2. Generation ganz besonders auf Glockenblumen fliegt.

Rostrote Mauerbiene, Osmia bicornis

Ende März bis Ende Juni. Eine sehr anspruchslose und anpassungsfähige Art, und deshalb auch im Siedlungsbereich weit verbreitet. Häufig an Nisthilfen, aber auch in allen möglichen anderen Hohlräumen mit etwa 5-7 mm Durchmesser. Grob gemauerter Verschluss. Auffallende Hörnchen am Kopfschild. Oberseits orange-braun. Etwa so groß wie Honigbiene. Im Bild ein Weibchen. Parasit: Taufliege, Trauerschweber.

Gehörnte Mauerbiene, Osmia cornuta

Fliegt schon Anfang März bis Anfang Juni. Häufig an Nisthilfen, sofern die Gänge zuvor noch nie besetzt waren. Verschluss grob gemauert. Sehr auffallend durch die langen "Hörner", den schwarzen Thorax und das leuchtend rot bepelzte Hinterteil. Die Männchen sind an ihrem weißen Gesicht zu erkennen. Parasit: Taufliege (aber eher selten), Trauerschweber.

Zweifarbige Schneckenhausbiene, Osmia bicolor

Die Wildbiene des Jahres 2013 hat Hartmut Morgenthal fotografiert. Sie ähnelt der gehörnten Mauerbiene. Meist zwei Generationen. Besiedelt ausschließlich Schneckenhäuser, und betreibt dabei als einzige Biene eine aufwändige Brutfürsorge: Nachdem die Öffnung sorgfältig zugemauert und zur Erde hin umgedreht wurde, wird das Haus mit einem Gemisch aus Pflanzenteilen und Speichel grün getarnt und unter Gras, Tannennadeln und Ähnlichem versteckt.

Glockenblumen-Scherenbiene, Osmia rapunculi

Mitte Juni bis Ende August. An Glockenblumen gebunden, dadurch oft weißer Pollen am Bauch. Wie die Hahnenfuß-Scherenbiene klein (8-10 mm), schwarz und schlank, aber nur kurze Mandibeln. Auffallender dunkler, fast schwarzer Nestverschluss. Parasit: Keulenwespe Sapyga clavicornis.

Hahnenfuß-Scherenbiene, Osmia florisomnis

Mitte April bis Mitte Juli. 7-11 mm. Schwarz mit hellen Streifen am Hinterleib. Im Gegensatz zur Glockenblumen-Scherenbiene lange, scherenartige Oberkiefer. Auf Hahnenfußgewächse spezialisiert, dadurch oft gelbe Bauchbürste. Parasit: Keulenwespe Sapyga clavicornis.

Gemeine Löcherbiene, Osmia truncorum


Mitte Juni bis September sehr häufig an Nisthilfen. Besetzt am liebsten kleine Bohrlöcher oder Röhrchen (3-4 mm), weicht aber ggf. auch auf größere Öffnungen aus. Nur 6-8 mm groß, schwarz und - sofern weiblich - fast immer mit gelbem Pollenbauch. Auf dem Foto schaut allerdings ein Männchen aus der Röhre. An der Nisthilfe gibt's viel Streit um die besten Plätze.

Parasiten: Keulenwespe Sapygina decemguttata, Holzschlupfwespe, Düsterbiene, Trauerschweber.

Stahlblaue Mauerbiene, Osmia caerulescens

Die Farbe trifft nur auf die Weibchen mehr oder weniger zu (Foto). Die Männchen schmücken sich dagegen mit einem gelb-braunen Pelz und auffallend grünen Augen. Zellwände und Nestverschluss werden aus zerkautem Blatt-, seltener auch aus Blütenmaterial gemauert. Stahlblaue Mauerbienen sind weit verbreitet und häufig auch an Nisthilfen. Die Flugzeiten reichen von März bis zum Herbst mit einer zweiten Generation ab Juli. Parasiten: Keulhornwespen (Sapyga clavicornis und Sapyga quinquepunctata).

Natternkopf-Mauerbiene, Osmia adunca

Dieses Foto enstand (leider) nicht in der Region, sondern am Rande der Schwäbischen Alb an einem Kalk-Magerrasen-Südhang in Blaubeuren. Rolf Witt hat die Art jedoch 2015 auch in Hannover nachgewiesen („Kinderwald“ zwischen A2 und Mittellandkanal). Osmia adunca ist streng auf Natternkopf  angewiesen. Die Art ist bundesweit zwar noch verbreitet, in Niedersachsen jedoch stark gefährdet. Das Foto zeigt ein Weibchen an Gewöhnlichem Natternkopf (Echium vulgare).

Gemeine Maskenbiene, Hylaeus communis

Mai bis Ende Juli, mitunter 2. Generation im Frühherbst. 4-7 mm, schwarz, unbehaart, mit gelber oder weißer Gesichtszeichnung (Maske). Verschließt ihre 2-4 mm breite Niströhre mit durchsichtigem Häutchen. Parasit: Schmalbauchwespen.

Gemeine Seidenbiene, Colletes daviesanus

Eine häufige, 7-9 mm kleine Sommerart, die besonders gerne Rainfarn aufsucht. Kennzeichnend ist ihr braun bepelzter und leicht gewölbter Rücken, der ihr auch zu dem Trivialnamen „Buckel-Seidenbiene“ verhalf. Sie nistet im Gegensatz zu anderen Seidenbienen nicht im Boden, sondern in Steilwänden, gerne auch in Lehm-Nisthilfen. Der Nestverschluss besteht (wie auch bei den eng verwandten Maskenbienen) aus einem cellophanartigen Häutchen, das allerdings nicht am Röhrenausgang angebracht wird, sondern über 1 cm zurückversetzt.

Garten-Blattschneiderbiene, Megachile willughbiella

Juni bis Ende August, manchmal  noch eine zweite Generation. Häufigste Blattschneiderbiene. Mit 12 bis 16 mm relativ groß. Schwer von anderen großen Blattschneiderbienen zu unterscheiden. Ähnelt der Honigbiene. Nistet im Totholz, in Mauerfugen und mitunter auch in Blumentöpfen. Typisch: Der nach oben abgewinkelte Hinterleib beim Pollensammeln. Parasit: Kegelbiene, Trauerschweber.

Luzerne-Blattschneiderbiene, Megachile rotundata

Ende Juni bis Mitte August. Klein (7-9 mm), schlank, schwarz mit zarten weißen Binden am Hinterleib und heller Bauchbürste. Im Süden erheblich häufiger als hier bei uns im Norden. In die Niströhren werden mitunter auch bunte Blütenblätter eingebaut. Parasit: Kegelbiene.

Platterbsen-Mörtelbiene, Megachile ericetorum

Auch Heide-Blattschneiderbiene genannt: Eine mit 12-14 mm recht große und hübsche Biene. Dieses Weibchen hat Kirsten Wedlich an der sog. „Rodelbahn“ gegenüber der Gaim in Hannover fotografiert. Kennzeichnend sind vor allem die hellen Haarbinden am Hinterleib und der gelbe Pollenbauch. Pollen wird ausschließlich auf Schmetterlingsblütlern gesammlt, zur Nektaraufnahme werden jedoch auch Lippenblütler aufgesucht. Rolf Witt hat 2013 eine große Population dieser Art am Kronsberg nachgewiesen.

Garten-Wollbiene, Anthidium manicatum

Juli bis Ende August. Wildbiene des Jahres 2014. Männchen bis 18 mm, Weibchen kleiner. Äußerst rasante Flieger. Männchen verhalten sich sehr aggressiv gegen vermeintliche Konkurrenz. Auffallend durch wespenartige schwarz-gelbe Zeichnung am Hinterleib. Im Foto eine Paarung auf Ziest. Parasit: Düsterbiene.

Gelbbindige Furchenbiene, Halictus scabiosae

Für weibliche Furchenbienen ist die „Furche“ am Hinterleibsende typisch. Die weit über hundert Halictus-Arten sind nur schwer zu unterscheiden; doch dies dürfte Halictus scabiosae sein. Furchenbienen entwickeln sich ähnlich den Hummeln im Frühjahr und paaren sich im Sommer. Während die Männchen danach sterben, überwintern die (befruchteten) Weibchen in ihren bis zu 60 cm tiefen Erdlöchern, um dort im kommenden Frühjahr ihren eigenen kleinen Bienenstaat zu begründen, falls sie nicht von einer Blutbiene (Sphecodes) daran gehindert werden.

Auen-Schenkelbiene, Macropis europaea

Dieses Weibchen (noch ohne Pollen) wurde von Georg Wilhelm zwar im Wendland aufgenommen, die Art fliegt im Hochsommer aber auch in unserer Region, z.B. an der Gracht in Herrenhausen. Sie ist an das Vorkommen von Gilbweiderich gebunden, dessen Blütenöl mit Pollen vermischt als Klumpen an den Hinterbeinen geheftet und so für den Nachwuchs in die Erdnester transportiert wird. Nektar ist als Beigabe unwichtig, wird jedoch für die Eigenversorgung benötigt.
Brutparasit ist die Schmuckbiene

Gemeine Schmalbiene, Lassioglossum calceatum

Eng verwandt mit Furchenbienen. Auch sie verpaaren sich in ihren Erdnestern, überwintern dort und gründen im Frühjahr ihren eigenen Staat. Die nur 8-10 mm großen Tierchen fliegen von März bis Oktober und sind weit verbreitet. Die verschiedenen Schmalbienenarten sind nur schwer voneinander zu unterscheiden. Die selteneren Männchen sind an ihren drei roten Tergiten erkenntlich; links ein Männchen, rechts zwei Weibchen. Das Foto wurde von Kirsten Wedlich am Kronsberg aufgenommen. Parasit: Blutbienen

Zottelbiene, Panurgus banksianus

In Deutschland gibt es nur drei Zottelbienenarten, zwei davon hat Rolf Witt 2013 auch an der Bult in Hannover nachgewiesen. Dies könnte eine Panurgus bankianus sein, aufgenommen auf dem Altendorfer Berg bei Einbeck. Zottelbienen müssen sich offenbar nicht nur vor verschiedenen Kuckucksbienen in Acht nehmen, sondern auch vor Waldameisen: Diese Biene wurde jedenfalls Augenblicke später  attackiert und getötet.

Braunbürstige Hosenbiene, Dasypoda hirtipes

Das Foto links entstand Ende Juli 2015 im Wendland: Das Weibchen entfernt sich hier rückwärts paddelnd von seiner Nisthöhle, um den eben ausgegrabenen Sand wegzuscharren. Diese etwa 12-15 mm großen Tierchen sind auf lockere und weitgehend vegetationsfreie Sandböden angewiesen; die Brutröhren werden bis zu 1 m tief in die Erde gegraben.

 

 

 


Braunbürstige Hosenbienen gibt es freilich auch in der Region Hannover. Rolf Witt hat sie an drei verschiedenen Standorten nachgewiesen. Die Fotos unten entstanden Mitte Juli 2016 am Rande eines Parkplatzes in Ronnenberg. Der gelbe Pollen mag irritieren, aber im Foto links ist deutlich zu erkennen, dass sich unter all dem Gelb etwas Braunbürstiges befindet...



Hier ist noch der Veranstaltungskalender 2016 - für 2017 folgt er bald. Termine, die hier nicht aufgeführt sind, finden Sie unter "Aktuelle Termine", die kontinuierlich aktualisiert werden. Hier unsere Pflanzenbörsen 2017.

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