Wespen: Fürsorgliche Jäger

Gemeine Wespe, Königin und zwei Arbeiterinnen
Gemeine Wespe, Königin und zwei Arbeiterinnen

Die meisten Wespen haben keinen deutschen Namen. Ihre Bestimmung ist alles andere als einfach. Zu unterscheiden sind solitäre, soziale und parasitoide Wespen. Zu den sozialen (also staatenbildenden) Arten gehören in Deutschland nur neun Echte Wespen (Vespinae) und vier Feldwespen (Polistinae). Und nur zwei davon können - wie gesagt - mitunter richtig ungemütlich werden, nämlich die zu den Kurzkopfwespen gehörende Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die rechts abgebildete Gemeine Wespe (Vespula vulgaris).

Alle solitären Wespen sind dagegen fürsorgliche Jäger bzw. Jägerinnen, denn die Männchen kümmern sich nicht um den Nachwuchs. Der Giftstachel wird benötigt, um die Beute (Spinnen, Raupen, Larven und dgl.) zu lähmen und ins Nest schleppen zu können. Wir Menschen passen wahrlich nicht in dieses Beuteschema. Literaturtipp: Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte, dem sei das Wespen-Buch von Rolf Witt empfohlen.

Ancistrocerus nigricornis, Lehmwepse

Bei diesem Tierchen ohne deutschen Namen dürfte es sich um Ancistrocerus nigricornis handeln, eine verbreitete Art, die auch häufig an Nisthilfen anzutreffen ist. Die Brut wird mit Blattkäfer- und Schmetterlingslarven versorgt. Es entstehen zwei Generationen im Jahr, wobei die zweite Brut überwintert, so dass diese Lehmwespenart schon im zeitigen Frühjahr aktiv ist.

Ancistocerus spec., Lehmwespenart

Lehmwespen sind Einsiedler. Sie können ihre Nester aus Lehm irgendwo am Geäst oder Mauerwerk bauen, oder auch Hohlräume dafür nützen, etwa in Nisthilfen, Käferfraßgängen und dgl. Sie sind im Feld nicht leicht voneinander zu unterscheiden.

Auplopus carbonarius, Tönnchen-Wegwespe

Der deutsche Name verweist auf die tönnchenförmigen Nistzellen aus Lehm, von denen eine Wespe bis zu etwa 15 in irgendeinem Versteck anfertigen kann. Jede Zelle wird mit einer Spinne verproviantiert, bevor ein Ei darauf gelegt und die Zelle zugemauert wird. Also noch solch ein fleißiger Spinnenjäger!

Dolichovespula sylvestris, Waldwespe

Sie gehört zu den Langkopfwespen und baut ihr bis zu 25 cm großes Nest wie die Sächsische Wespe gerne frei hängend an geschützten Stellen, auch in oder an Häusern. Die Völker sind mit höchstens 800-900 Tieren jedoch viel kleiner als die der Gemeinen oder der Deutschen Wespe, deren Völker fünstellige Zahlen erreichen können.

Eumenes spec., Pillenwespe

Diese bis zu 17 mm großen Wespen, von denen es in Mitteleuropa 7 nur schwer voneinander unterscheidbare Arten gibt, bauen kleine Brutzellen aus Lehm, die irgendwo an Holz oder Steinen befestigt werden. Jede etwa 1 cm große Brutzelle wird mit einem Ei und einer gelähmten Raupe versorgt und verschlossen. Die Wespe im Foto holt sich gerade Lehm an der Nisthilfe am Badebornteich.

Odynerus spinipes, Gemeine Schornsteinwespe

Typische Wespenerscheinung mit gelben Binden am Hinterleib. Verfüttert ausschließlich Rüsselkäferlarven, (wie auch im Foto zu sehen ist). Beim Bau des Nestes entsteht der charakteristische "Schornstein", der für den Bau der Innenwände und zum Verschließen des Eingangs nach und nach wieder abgebaut wird. Mitunter entstehen dabei mächtige Kolonien wie das Beispiel vom Badebornteich zeigt.
Parasiten: Bunte Goldwespe und evtl. eine Schlupfwespenart.

Pemphredon spec., Grabwespenart

Kleine, schwarze Grabwespen (Spheciformes), die häufig auch in Stängeln oder Bohrlöchern an Nisthilfen auftauchen. Wenn seitlich Platz ist, werden verzweigte Nester (statt Linienbauten) bevorzugt. Zellwände und Nestverschluss werden aus Bohrmehl bzw. Holzgeraspel angefertigt. Auf Blattläuse spezialisiert: Pro Zelle können bis zu 60 Blattläuse eingetragen werden! Wenn Blattläuse in der Nähe sind, können sie im Minutentakt herangeschleppt werden. Parasiten: Gold-, Schlupf-, Gicht-  und Erzwespen.

Polistes dominula, Haus-Feldwespe

Die wohl bekannteste der vier in Deutschland vorkommenden Feldwespenarten, zu denen auch die Heide-Feldwespe gehört. Die Haus-Feldwespe wurde früher auch gallische Feldwespe genannt. Ihre kleinen Papiernester ähneln denen der Heide-Feldwespe (nächstes Foto), werden jedoch geschützt in Schuppen oder auf Dachböden angelegt. Die Nester werden jeweils von rund zwei Dutzend Tieren betreut. Dass sie nützlich und friedfertig sind, schützt sie leider nicht vor der Verfolgung.

Polistes nimpha, Heide-Feldwespe

Dieses Foto entstand nicht in der Region, sondern am Idtberg in Kaierde bei Alfeld. Diese Art ist - wohl durch die Klimaerwärmung -  erst in den letzten Jahren bis zu uns in den Norden vorgedrungen. Die Nester ähneln Polistes dominula (s.o.), werden jedoch gegen die Witterung ungeschützt an Pflanzstängeln oder Steinen in Bodennähe angebracht.

Trypoxylon figulus, Töpfergrabwespe

Eine der häufigsten Grabwespenarten. Nistet im Gegensatz zu den meisten anderen Grabwespen in bereits vorhandenen Hohlräumen, also durchaus auch in Nisthilfen, Lehmlöchern, Pflanzenstängeln u.a. Die Linienbauten können bis zu 20 cm lang sein, bis zu neun Zellen umfassen und mit Dutzenden von Spinnen (vgl. Foto) für den Nachwuchs vollgestopft sein. Also: Wer Spinnen hasst, sollte diese Grabwespe lieben!

Vespa crabro, Hornisse

Unsere mit Abstand größte Wespe, die viel harmloser und friedlicher ist als ihr Ruf. Dieses Nest wurde Ende August 2014 an einer Beobachtungshütte im Naturschutzgebiet Meerbruchwiesen bei Winzlar aufgenommen. Trotz nasskalter Witterung herrschte reger Flugbetrieb.
An den Stapelteichen in Weetzen besiedelten Hornissen einen an der Beobachtungshütte angebrachten Vogelnistkasten (Fotos unten); weil der Platz nicht ausreichte, wurde einfach draußen angebaut. Das folgende Hornissen-Kapitel hat Hornissenberater Werner Kirschning beigesteuert.


Hornissen an Vogelnistkasten in Weetzen

Schmarotzer-Wespen

Außer den sozialen und solitären (also staatenbildenden bzw. allein lebenden) Wespen gibt es noch die große Gruppe der parasitären Wespen mit sehr unterschiedlichen Formen des Schmarotzertums, darunter auch echte Kuckucks-Wespen. Doch eines haben sie alle gemein: Ihr Nachwuchs entwickelt sich auf Kosten anderer Insekten. Das gilt außerdem noch für einige Fliegen- und Käferarten. Im Kapitel „Gegenspieler: Listige Faulpelze“ gibt es Fotos und Informationen zu folgenden Schmarotzer-Wespen:

Chrysis ignitaGemeine Goldwespe
Chrysis viridulaBunte Goldwespe
Ephialtes spec., Schlupfwespenart
Ephialtes manifestatorHolzschlupfwespe
Gasteruption jaculator, Schmalbauchwespe
Gasteruption erythrostomumSchmalbauchwespe
Gasteruption assectatorGichtwespe
Perithous scurraSchlupfwespenart
Philanthus triangulumBienenwolf
Sapyga clavicornisKeulenwespe
Sapyga quinquepunktata5-Punkt-Keulenwespe
Sapyga decemguttata10-Punkt-Keulenwespe



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