Gegenspieler: Listige Faulpelze

In der Vogelwelt gibt es nur einen Kuckuck. Bei den Bienen ist dagegen jede vierte Art eine Kuckucksbiene! Und bei den Wespen sieht es nicht viel anders aus. Im folgenden sollen einige dieser listige Faulpelze vorgestellt werden, die sich als Parasiten solitärer Bienen und Wespen darum drücken, sich selbst um ihren Nachwuchs zu kümmern.

Im Foto rechts paaren sich oben ahnungslos zwei Hahnenfuß-Scherenbienen und unten lauert bereits ihr Gegenspieler: Eine Keulenwespe, Sapyga clavicornis

Doch es gibt (frei nach Westrich) verschiedene Formen des Schmarotzertums:

Formen des Schmarotzertums

  • Echte Parasiten ernähren sich von ihrem Wirt, ohne ihn umzubringen.
  • Raubparasiten (wie die Schlupfwespen) töten ihren Wirt nicht sofort, sondern erst nach und nach im Laufe ihrer Entwicklung.
  • Brutparasiten schmuggeln ihre Eier in fremde Nester. Und wie der gefiederte Kuckuck sind auch Kuckucksbienen und -wespen am Ende die einzig Überlebenden im Nest.
  • Sozialparasiten bauen keine eigenen Nester, sondern lassen ihren Nachwuchs von einem fremden Wirtsvolk versorgen.
  • Und schließlich gibt es noch die Räuber, die ihr Beutetier umbringen oder betäuben, um damit ihre Brut zu versorgen.

Feld-Kuckuckshummel, Bombus campestris

Die Weibchen sind ab Mai/Juni gerne auf Löwenzahn unterwegs. Sie parasitieren vor allem Ackerhummeln, aber auch vier andere Arten, darunter Wiesenhummeln. Ihr Nachwuchs wird von den Wirtshummeln unbemerkt mit aufgezogen, bis er im Hochsommer ausfliegt. Die Männchen stürzen sich dann besonders auf Skabiosen, Flockenblumen und Disteln (Foto), und sterben kurz nach der Paarung. Die befruchteten Weibchen überwintern im Boden.

Felsen-Kuckuckshummel, Bombus rupestris

Diese Kuckuckshummel sieht ihrem Hauptwirt (Steinhummel) sehr ähnlich. Sie ist jedoch deutlich größer und unterscheidet sich vor allem durch ihre dunklen, schwarzbraunen Flügel. Außer Steinhummeln werden mitunter auch Bunthummeln und Ackerhummeln parasitiert. Die Weibchen finden sich im Frühjahr vor allem an Löwenzahn oder Knautien, die Männchen im Sommer häufig an Disteln und Flockenblumen.

Wald-Kuckuckshummel, Bombus sylvestris

Sie ähnelt zwar stark der Wiesenhummel als ihrer Hauptwirtin, bei der das Hinterleibsende jedoch deutlich orangerot ist, während beim Kuckuck bestenfalls ein Hauch davon übrig bleibt. Auch Baumhummel und Steinhummel werden parasitiert. Der Kuckuck tötet die Wirtin, zerstört deren Brutzellen, frisst die fremden Eier und baut ihr eigenes Nest. Aus ihren Kuckuckseiern schlüpfen keine Arbeiterinnen, sondern nur Drohnen und Königinnen, die von den Arbeiterinnen des Wirtsvolkes versorgt werden.

Böhmische Kuckuckshummel, Bombus bohemicus

Mitunter auch „Angebundene Kuckuckhummel“ genannt. Parasitiert verschiedene Erdhummelarten, vor allem aber die Helle Erdhummel, der sie auch am stärksten gleicht. Sie legen ihre Eier in die bereits vorhandenen Brutzellen fremder Nester, damit ihr Nachwuchs vom Gastvolk groß gezogen wird und ab Juli ausfliegen kann. Die Drohnen sterben kurz nach der Paarung, die befruchteten Weibchen suchen sich im Boden ein Überwinterungsquartier.

Gemeine Trauerbiene, Melecta albifrons

April bis Anfang Juni. Brutparasit bei Pelzbienen. Die Trauerbiene öffnet eine bereits verschlossene Wirtszelle, legt ihr Ei ab und verschließt die Zelle wieder. Ziemlich groß (12-17 mm), schwarz behaart, zugespitzter Hinterleib und auffallende helle Flecken an Kopf, Brust, Beinen und Hinterleib.

Wespenbiene, Nomada lathburiana

Etwa 60 solcher Kuckucksbienen sind in Deutschland bekannt, die meist nur eine ganz bestimmte Bienenart schmarotzen. Am häufigsten trifft es Sandbienen. Dies dürfte eine Rothaarige Wespenbiene sein (Nomada lathburiana). Wespenbienen können ihre Wirtsnester offenbar riechen und erschnüffeln, ob die "Wirtin" zuhause ist oder nicht. Ist die Luft "rein", graben sie sich ihren Weg zur Brutzelle und legen ihr Kuckucksei.

Wespenbienenart, Nomada goodeniana

Dies ist wahrscheinlich Nomada goodeniana (ohne deutschen Namen), die auch am Kronsberg in Hannover schon gesichtet wurde. Dieses schlafende Tierchen wurde allerdings am Naturschutzgebiet Idtberg in Kaierde abgelichtet. Nomada goodeniana parasitiert verschiedene Sandbienenarten und scheint derzeit nicht gefährdet.

Wespenbienenart, Nomada ruficornis

Dies dürften zwei Männchen von Nomada ruficornis sein, die in unruhigem Suchflug auf frisch geschlüpfte Weibchen Jagd machen. Die Art ist zwar nur schwer von einigen anderen Wespenbienenarten unterscheidbar, ist allerdings etwas schmaler und kleiner und trat hier am Badebornteich Anfang Mai gemeinsam mit ihrer Wirtsbiene, der weitverbreiteten Rotbürstigen Sandbiene in Erscheinung.

Blutbiene, Sphecodes spec.

Diese Biene wurde 2015 zwar im Wendland fotografiert. Rolf Witt hat 2013 jedoch auch in Hannover acht verschiedene Blutbienenarten kartiert, deutschlandweit sind 25 Arten bekannt. Blutbienen tragen ihren Namen nicht von ungefähr: Sie schleichen sich nicht etwa heimlich in die Nester ihrer Wirtsbienen (vor allem Furchenbienen), sondern können diese auch wegjagen oder umbringen, bevor sie ihre Eier ins fremde Nest legen.

Schmuckbiene, Epeoloides coecutiens

Brutparasit der Auen-Schenkelbiene, und deshalb ebenfalls im Hochsommer (Juli, August) meist in der Nähe von Gilbweiderich zu finden.

Zur Nektaraufnahme werden allerdings auch viele andere Blüten aufgesucht, wie die Fotos zeigen.

Zum Schlafen beißen sich Schmuckbienen mit ihren Oberkiefern an irgendwelchen Blüten und Halmen fest.

 

Die Geschlechter sind so unterschiedlich gefärbt, dass man sie für verschiedene Arten halten könnte:

Die Männchen (oben) bestechen durch ihre grünlichen Augen, den orangeroten Hinterleib und die rotbraune Behaarung von Kopf und Brust.
Beim Weibchen (unten) sind Kopf und Thorax dagegen eher schwarz behaart; der Hinterleib ist nur zur Hälfte rot gefärbt, der Rest dagegen schwarz mit weißen Binden.

Gemeine Goldwespe, Chrysis ignata

Außer dieser häufigsten Art, die auch Feuer-Goldwespe genannt wird, gibt es bei uns noch ein Dutzend anderer Goldwespenarten, 4-13 mm kleine, prachtvoll gefärbte Insekten. Die Larven fressen die Eier oder Larven ihres Wirtes und den gespeicherten Nahrungsvorrat. Chrysis ignita fliegt von Mai bis September. Sie parasitiert Lehmwespen und wahrscheinlich auch Mauerbienen.

Bunte Goldwespe, Chrysis viridula

Diese Art parasitiert ausschließlich Schornsteinwespen, Odynerus spinipes. Flugzeit von Mai bis August. Das Weibchen gräbt bereits verschlossene Nester auf und legt ihre Eier an die Wirtslarven. Das Foto gelang Eckhard von Holdt an der Nisthilfe am Badebornteich.

Bienenkäfer, Trichodes apiarius

Dieser auch Bienenwolf genannte Käfer legt 200 Eier und mehr in die Nähe oder in die Nester von Hautflüglern, vor allem Mauerbienen und Wollbienen. Die Käferlarven sind gegen Bienenstiche unempfindlich. Sie dringen in die Nester ein und fressen nicht nur die dort gesammelten Nahrungsvorräte, sondern auch die Brut selbst. Notfalls können sie auch monatelang ohne Nahrung auskommen. Die Entwicklung bis zum Vollinsekt kann bis zu fünf Jahren dauern.

Bienenwolf, Philanthus triangulum

Bei uns die einzige Art, die sich auf Honigbienen spezialisiert hat. Die erwachsenen Wölfe ernähren sich von Nektar, den sie allerdings nicht (wie im Foto) immer selbst sammeln, sondern auch erbeuteten Honigbienen abpressen können. Die Bienen werden mit dem Giftstachel betäubt und in die oft über eine Meter tiefe Nisthöhle eingetragen. Jedes befruchtete Ei bekommt bis zu 7 Bienen als Nahrungsvorrat, während künftige Männchen mit einem Drittel davon abgespeist werden. Bienenwölfe können an geeigneten trockenwarmen Sand- oder Löss-Standorten große Nistansammlungen bilden und benachbarte Bienenvölker etwas dezimieren; aber bei ca. 80.000 Bienen pro Volk fällt das kaum ins Gewicht.

Breitstirnblasenkopffliege, Sicus ferrugineus

Diese skurrilen Geschöpfe jagen unermüdlich Hummeln hinterher, um ihnen (ähnlich wie auch die Schlupfwespen) vermittels eines Dorns ihre Eier unterzujubeln. Nachdem die Made später ihren Wirt peu à peu totgefressen und ausgehölt hat, verpuppt sie sich an Ort und Stelle und überwintert dort.

Mauerbienen-Taufliege, Cacoxenus indagator

Dieser mit der Fruchtfliege verwandte Winzling mit seinen roten Komplexaugen parasitiert April bis Juni vor allem Mauerbienen, aber seltener auch einige andere Bienenarten.

Trauerschweber, Anthrax anthrax

Trauerschweber sind 7 – 13 mm große, schwarze Fliegen mit durchsichtigen Flügelspitzen, die diverse oberirdisch nistende Solitärbienenarten wie etwa Mauer-, Pelz-, Löcher- oder Blattschneiderbienen parasitieren. Sie verharren schwebend vor der Niströhre ihres Wirtes und schleudern durch zuckendende Bewegungen ihres Hinterteils ein Gemisch aus Eiern und Staubpartikel in die Röhre. Den Staub nehmen sie zuvor durch das Einstippen ihres Hinterteils in den Holzstaub oder Lehmabrieb an der Nisthilfe auf. Ihre Technik bei der Eiablage ähnelt dem des Wollschwebers:

Großer Wollschweber, Bombylius major

Woll- oder Hummelschweber erinnern an dick bepelzte, pummelige Hummeln, sind jedoch rasant wendige Flieger, die auch schwirrend in der Luft stehen können. Ihre Eiablage ähnelt dem der Trauerschweber (s.o.), wobei sie es jedoch ausschließlich auf die im Erdreich nistenden Sandbienen abgesehen haben: Auch sie nehmen mit ihrem Hinterteil etwas Sand auf, um dann im Schwirrflug durch ruckartige Bewegungen des Hinterleibs den ausgewählten Nesteingang mit einem Eier-Sand-Gemisch zu bombardieren. Sobald die Larven geschlüpft sind, krabbeln sie auf ihren fünf Beinchen in das Gastnest.

Schlupfwespenart, Ephialtes spec.

Normalerweise machen sich Schlupfwespen am Holz zu schaffen. Dieses Tier versucht jedoch durch den harten Lehm in das Nest einer Schornsteinwespe vorzudringen. Nach einiger Zeit bog sich jedoch der Legebohrer stark durch und es sah so aus, als sei der Versuch gescheitert.

Schlupfwespenart, Perithous cf. scurra

Scurra heißt auf lateinisch "Narr" - warum nur mag diese ausgesprochen hübsche, schlanke, kleine Schlupfwespe diesen närrischen Namen erhalten haben?  Vielleicht wegen ihrer Farbigkeit: Der Thorax glänzt dunkelrot, die Beine wirken durchscheinend orangefarben, das glänzend schwarze Abdomen ist kontrastreich weiß geringelt, und auch der Kopf ist auffallend gelb gemustert. Der Körper ist nur etwas über 1 cm lang, der Legebohrer ebenso.

Keulenwespe, Sapyga clavicornis

Schwarzer, schlank zugespitzer Körper mit gelben Tergitbinden und keulenarten Fühlern. 8-12 mm groß. Im Foto ein Weibchen. Fliegt vor allem auf die Hahnenfuß-Scherenbiene, aber auch auf die Rostrote Mauerbiene unc auf die Stahlblaue Mauerbiene. Häufig auch im Siedlungsbereich, besonders an Nisthilfen

Fünfpunkt-Keulenwespe, Sapyga quinquepunctata

Etwa gleich groß wie Sapyga clavicornis. Parasitiert verschiedene Mauerbienenarten.

Zehnpunkt-Keulenwespe, Sapygina decemguttata

Etwas kleiner als clavicornis. Schwarzer Thorax, weiße Halsbinde, seitlich kleine weiße Flecken. Auf dem Foto lauert links die Wespe, rechts daneben die potentiellen Opfer (ausschließlich Gemeine Löcherbienen). Parasit und Wirt sind an Nisthilfen sehr häufig.

Schmalbauchwespe, Gasteruption jaculator

Eine Schmalbauch- oder Gichtwespe mit extrem langem Legebohrer, der normalerweise in Scheide ruht, die in einer weißen Spitze endet. Sieht zwar gefährlich aus, kann damit jedoch nicht stechen. 14-18 mm groß. In der Körpermitte feuerrotes Segment. Parasitiert im Foto das Nest einer Maskenbiene, nimmt aber auch Mauerbienen u.a.

Schmalbauchwespe, Gasteruption erythrostomum

Eine seltenere Schmalbauchwespe mit mittellangem Legebohrer, die mitunter auch an Nisthilfen auftaucht und dort (nicht nur!) Maskenbienen parasitiert. Die Tiere sind 1 bis 2 cm lang und - wie alle Gichtwespen - überwiegend schwarz gefärbt. Flugzeit von Anfang Juni bis Ende Juli, Weibchen bis Ende August.

Schmalbauwespe, Gasteruption assectator

Kleine, schwarze Gicht- bzw. Schmalbauchwespe mit hoch angesetzem, keulenartigen und schwarz-rot gemusterten Abdomen. Kurzer Legestachel. Mai bis September. Parasitiert Maskenbienen, Mauerbienen, u.a.

Holzschlupfwespe, Ephialtes manifestator

Eine recht große (ca. 2 cm Körperlänge), schwarze Schlupfwespe mit roten Füßen, langen Fühlern sowie einem sehr langen und dünnen Legestachel, der normalerweise durch eine Scheide geschützt ist und nur zum Bohren ausgeklappt wird. Hier wird gerade das Nest einer Gemeinen Löcherbiene angebohrt, nachdem der Verschluss zuvor ausgiebig mit den Fühlern abgetastet wurde. Offenbar kann das Insekt so riechen, ob das Nest besetzt ist, und dann sein Ei zielsicher in die fremde Made legen. Es kann freilich auch sein, dass dies ein sog. Kleptoparasit beobachtet hat, der dann anschließend sein Ei durch die vorhandene Legeröhre bugsiert.

Schmalflügeliger Pelzbienen-Ölkäfer, Sitaris muralis

Ein seltener Gast in Norddeutschland, von dem jedoch Mitte August 2014 gleich mehr als zwei Dutzend aus einer mit Frühlingspelzbienen besetzten Lehm-Nisthilfe in Ronnenberg krochen. Wie im Foto unten zu sehen, kleben die flugunfähigen Käfer ihr Gelege an die Decke des Nesteingangs. Wie es dann weitergeht, weiß der Bensheimer Käferspezialist Johannes Lückmann: Nach 3-4 Wochen schlüpfen die Larven und überwintern im Schutz der klebrigen Eihüllen und ihres körpereigenen Giftes (Cantharidin) bis zum Schlupf der ersten (männlichen) Pelzbienen im zeitigen Frühjahr. Dann müssen sie sich zielsicher fallen lassen und festklammern. Nachdem ein paar Tage später auch die weiblichen Pelzbienen geschlüpft sind, nützen die Ölkäferlarven den Paarungsakt zum "umsteigen", um sich dann von der "Wirtin" in die Nisthöhle tragen zu lassen. Dort fressen sie die Bieneneier samt Pollen und Nektar und entwickeln sich zum Käfer. Und genau ein Jahr später krochen am 18. August 2015 wieder ein paar Ölkäfer aus der Nisthilfe in Ronnenberg. Doch 2016 war die Pelzbienenpopulation zusammengebrochen und damit sind auch keine Ölkäfer mehr zu erwarten...

Pelzbienen-Ölkäfer bei der Eiablage
Pelzbienen-Ölkäfer bei der Eiablage


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