Hornissen: Nützliche Riesen

Ende September 2016 am Badebornteich
Ende September 2016 am Badebornteich

Hornissen sind äußerst nützlich und gehören aufgrund ihrer akuten Bestandsgefährdung zu den geschützten Arten. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) § 37 in der Fassung von 2010 sind wildlebende Tiere geschützt. Die einheimische Hornisse (Vespa crabro) wurde 1987 in das Artenschutzgesetz aufgenommen und damit unter besonderen gesetzlichen Schutz gestellt. Ein Verstoß kann mit einem Bußgeld bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Dies bedeutet, dass Hornissen nicht getötet und ihre Nester nicht zerstört werden dürfen. In gut begründeten Ausnahmen kann die Untere Naturschutzbehörde (UNB) der Region Hannover eine Befreiung von den Schutzbestimmungen aussprechen. Dann wird in der Regel ein von der UNB bestellter, ehrenamtliche Hornissenberater damit beauftragt, ein Nest umzusiedeln. In der Region Hannover ist dies Werner Kirschning, der für den folgenden Text und die anschließend beschriebene Umsiedlung eines Hornissennests verantwortlich ist.

Flugrichtung von Hornissen aus ihrem Nest

Typisch ist für den Abflug vom Nest die Richtung nach oben. Wenn man in einem gewissen Abstand vor dem Ausflug steht, ergibt sich kein direkter Kontakt, vorausgesetzt, man nähert sich nicht so sehr dem Nest. 

Abstand vom Nest wahren

Die Verteidigungsbereitschaft hängt von der Bauform des Nestes ab und beginnt bei einem Abstand von 1 bis 2 m vom Ausflug entfernt. Erst wenn dies nicht respektiert wird, beginnen die ersten Hornissen den vermeintlichen "Angreifer" anzufliegen. 

Wo Hornissen nisten

Hornissennest - präpariert von W. Kirschning
Hornissennest - präpariert von W. Kirschning

Typisch für Hornissen ist die Nutzung von Hohlräumen im Baum. Diese Möglichkeit ist  jedoch oft durch den Einfluss des Menschen nicht mehr gegeben, weil wir dem Ast- oder Baumbruch durch Hohlstellen vorbeugen wollen, auch zum Schutz der Fußgänger, Häuser, Autos im bewohnten Bereich. Notnester in Halbhöhlen, die zur Hälfte freiliegen, werden von den Hornissen stärker bewacht bzw. verteidigt als komplett versteckte Nester. Aber zum Beispiel in einer Dachhöhle fühlen sich die Hornissen geschützt und dulden die Annäherung auf ca. 1 m.

Störungen am Neststandort

Bei Nestern im Dach wird ein Klopfen an das Dach als Angriff missverstanden und ist zu vermeiden. Dasselbe gilt für starke Geräusche an einem Baum, in dem sich ein Nest in einer Baumhöhle befindet. Ob Rasenmäher mit Benzinmotor als Gefahr eingestuft wird, müsste vorsichtig getestet werden. Aber in der Regel stechen Hornissen nicht so schnell zu, sondern warnen erst einmal durch Heranfliegen.

Wie lange fliegen Hornissen?

Der Flugbetrieb hört in der Regel im Oktober wetterabhängig auf; (am Badebornteich waren allerdings auch Anfang November 2016 immer noch einige Brummer unterwegs). Die letzten ausfliegenden Tiere sind Jungköniginnen und Drohnen. Nach meiner Erfahrung scheuen diese eine Konfliktsituation und zeigen kein Abwehrverhalten. Ausfliegende Drohnen sollen die Königinnen befruchten; sie können aber  nicht stechen. Einmal ausgeflogene Drohnen und Jungköniginnen kehren nicht mehr im Herbst ins Nest zurück.

Mehrfachnutzung des Nestes nicht möglich

Nach der Umwandlung der Made in ein fertiges Insekt scheidet dieses einen bisher im Körper gespeicherten Kotkrümel aus, der danach am oberen Ende der Wabe klebt. Diese organische Masse ist Grundlage für Schimmelbildung und ähnliches. Dadurch wird die weitere Nutzung im Folgejahr nicht mehr möglich. Man muss also nicht befürchten, daß ein Nest mehrfach benutzt wird, es wirkt für Jungköniginnen eher abstoßend.

Verschmutzungsgefahr gering

Unter einem freihängenden Nest z.B. in einem dunklen Schuppen wird von den futterbringenden Arbeiterinnen Kot ausgeschieden, der auf dem Fußboden einen Schmierfilm ergibt. Ist ein Freiraum unter dem Nest nicht vorhanden, z.B. in einem Rollladenkasten über dem Fenster oder in einem Bauspalt, so bleibt der Raum nach meiner Erfahrung sauber. Das hängt von der Größe des Hohlraumes ab, den die Tiere zunächst finden, ggfs. später etwas erweitern müssen. Bei einem nur kleinen Zwischenraum - zum Beispiel zwischen 2 Betonmauern oder Ziegelmauerwerk ist davon auszugehen, daß der Platz ohnehin klein ist und deshalb von den Hornissen saubergehalten bleibt. Der Hohlraum wird durch die Nestmasse ausgefüllt.

Wärmeisolierung

Dieses Nestmaterial ist eine papierdünne Masse aus Altholz und Hornissenspucke als Kleber. Dieses Material hat in etwa die gleichen Isolierwerte wie die Glaswollemasse, die hier fehlt.

Was bewirkt ein Hornissenvolk?

Die Hornissen fangen und fressen verschieden Insekten, auch Bienen und Wespen, aber niemals süßen Kuchen. Die Wespen spüren die Nähe der Hornissen und meiden den Bereich. Man kann also unter dem Hornissennest sitzen und Obstkuchen essen und läuft nicht Gefahr, von einer Wespe gestochen zu werden. Ein Nachbar in meiner Nähe mit einer Allergie gegen Wespengift bittet mich jedes Jahr darum, ihm ein Hornissennest zu bringen, wenn irgendwo eine Umsiedlung erforderlich wird, um Wespen in seiner Nähe abzuhalten.

Giftwirkung eines Hornissenstichs

Die Giftwirkung ist bei Wespen und Hornissen unterschiedlich. Eine Giftkomponente bei Wespen und Bienen macht die Wand der Fleischzelle durchlässig, so daß die Wirkung des Giftes sich großflächig verteilt und zu weitflächiger Schwellung führt. Diese Komponente fehlt beim Hornissengift. D.h. die Schwellung und Ausbreitung des Giftes ist bei Hornissen ungleich kleiner. Auch die Giftmenge ist bei Hornissen kleiner, die Größe des Insektes ist kein Maß für die Menge.

Verlust natürlicher Lebensräume der Hornisse

Der natürliche Lebensraum der Hornisse als Insektenfresser ist durch den Mangel an natürlichen Baumhöhlungen durch menschliche Eingriffe schon sehr bedrängt. Die Unterschutzstellung ist damit als kleine Hilfe sinnvoll. Wenn diese Tierart uns durch Nutzung der Hohlräume im Gebäude näher kommt ist, so ist das nur verständlich und zu tolerieren, weil die Tiere und ihre Gefährlichkeit deutlich überschätzt werden. Der Spruch "3 Stiche ein Mensch, 7 Stiche ein Pferd" sind vielen Menschen tief im Gedächtnis, auch wenn dies nicht den Tatsachen entspricht. Wahrscheinlich hat sich der Spruch so eingeprägt, weil Hornissen sehr groß sind und dadurch einfach optisch bedrohlich wirken, obwohl sie es nicht sind. 

Hier noch ein interessanter Link: http://www.vespa-crabro.de/alles4.htm 
Weitere Infos zum Thema gibt's auch auf unserer Seite Naturgarten

 

 

Geglückte Umsiedlung eines Hornissenvölkchens

Auf der vergeblichen Suche nach einem hohlen Baumstamm beginnen Hornissenköniginnen oft in einem viel zu kleinen Vogelkasten mit dem Nestbau. So im Mai 2017 ausgerechnet auch im Garten von Hornissenberater Werner Kirschning in Bothfeld, der zu diesem Zeitpunkt noch keinen Hornissenkasten aufgehängt hatte.


(Fotos 1-2: Werner Kirschning)

Mitte Juni hatte die Königin die erste Wabenebene mit einer wärmenden Wandhülle umschlossen, war noch allein und vollauf damit beschäftigt, ihre etwa 10 bis 15 Maden zu füttern und zu wärmen. Erst wenn sich die Maden verpuppt haben und als Jungarbeiterinnen beim Nestbau mithelfen, hat eine Umsiedlung Aussicht auf Erfolg.



In Werner Kirschnings Garten war dies am 1. Juli soweit. Er hatte dafür einiges vorbereitet: Das Vogelhäuschen wurde schon Tage zuvor im größeren Hornissenkasten plaziert, damit sich die Tiere umstellen konnten. Der nächste Schritt sollte das Lösen der Waben aus dem Vogelkasten und Einkleben in den Hornissenkasten werden; zur Vorbeitung wurde an der Decke eine ringförmige Pappe als Hilfskonstruktion befestigt.

(Fotos 3-6: Anke Waldner)

Doch die Umsiedlung der Tiere ist nur ohne fliegende Hornissen möglich. Deshalb wurden die Tiere mit einem Staubsauger eingefangen, dessen Saugrohr mit einer zwischengeschalteten großen Plexiglasröhre verlängert war. Diese Röhre war auf der Abströmseite mit einem Netz so abgeschlossen, dass die Hornissen nicht bis zum Staubsaugerbeutel gelangen konnten. Diese Fangaktion erforderte Vorsicht und Geduld, aber erstaunlicherweise wurden die Tiere in der Röhre sofort ruhig.

Jetzt erst konnte Werner Kirschning das Hornissennest behutsam aus dem Vogelhäuschen trennen, wobei er das verbindende Stielchen  durchschneiden musste. Erstaunlicherweise blieben die Königin und eine Arbeiterin noch im Nest sitzen, ohne irgendwelche Aggressionen zu zeigen.



Mit einer Heißklebepistole ließ sich das Nest dann sicher an die Papprolle an der Decke des Hornissenkastens kleben. Und da die Hornissen die Waben am Geruch als die ihren erkannten, ließen sie sich promlemlos aus der Plexiglasröhre zum Nest bugsieren - einige sogar mit der nackten Hand - und akzeptierten nun auch den größeren Kasten sofort. Nach einer knappen halben Stunde war der Umzug abgeschlossen.

(Foto: Werner Kirschning)

Es war faszinierend zu beobachten, wie schnell sich das kleine Volk nach all der Aufregung wieder beruhigte und zur Tagesordnung überging. Werner Kirschning weist allerdings darauf hin, dass dieses gewissermaßen ein Umzug „light“ war. Sein abschließender Kommentar:

„Der Wechsel in den größeren Kasten war in diesem Fall nicht mit einer neuen Umgebung verbunden, der Platz zum Beuteschlagen und auch zum Finden von Bauholz für den Nestbau bzw. die Nestreparatur blieben bekannt. Insofern hatten es die Hornissen leicht. Bei starker Belastung durch Umfeldänderung habe ich schon erlebt, dass die Arbeiterinnen im Stress Maden aus den Waben gerissen haben - in diesem Fall lag keine einzige Made am Boden. Es war der richtige Zeitpunkt und auch das Regenwetter hatte keine negativen Auswirkungen.“

Eine Woche nach dem Umzug ist das Papprohr kaum noch zu erkennen. Die Hornissen haben sich inzwischen gleichzeitig an der Wärmehülle und der Befestigung mächtig nach oben gearbeitet.

(Alle folgenden Fotos: Werner Kirschning)

Die Hornissen ließen es übrigens ruhig zu, dass für jede Aufnahme die Frontseite des Kastens geöffnet wurde.

Nach zwei Wochen ist die Hülle bereits recht gleichmäßig bis zur Unterkante der Wabenebene heruntergebaut. Dazu Werner Kirschning: „Bekanntlich steigt warme Luft nach oben und die von den Hornissen und den wachsenden Maden abgebene Wärme bleibt in der Glocke hängen. Der nächste Entwicklungsschritt ist der Bau einer weiteren Wabenebene. Anscheinend wird jetzt wieder verstärkt auf Tempo geachtet und das Baumaterial der Außenhülle für die Waben verwendet“.

Drei Tage später sieht man die zerfressene Außenhülle, die neuen Waben und den gleichzeitigigen Bau einer zweiten Hülle mit größerem Durchmesser. Wärmetechnisch sei es eben besser, so Kirschning, wenn die Maden "Schulter an Schulter" nebeneinander aufwachsen. Deshalb werde nicht nur an weiteren Wabenebenen nach unten, sondern gleichzeitig auch in die Breite gearbeitet. Das biete sich an, wenn das Hüllenmaterial ohnehin gerade abgebaut wurde.

Drei Wochen nach dem Umzug erreicht die äußere Hülle schon fast die ganze Kastenbreite. Kirschning: „Das Volk ist jetzt zahlenmäßig schon stärker geworden und die älteren Arbeiterinnen nähern sich dem ruhigeren Rentnerdasein. Einzelne bekommen schon mal den Job des Pförtners bzw. der Pförtnerin, sitzen ruhig am Abflugloch und kontrollieren die jüngeren einfliegenden Arbeiterinnen, ob sie wirklich dazu gehören. Mir kommt das immer so vor, als ob sie sich nur wichtig machen wollen“. In diesem Rhythmus geht das weiter, bis der Kasten ganz ausgefüllt ist.

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