BUND-Check zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover am 27. Oktober: Wie „öko“ sind die Kandidat*innen?

Hannover, 9. Oktober 2019. Oberbürgermeister müssen entscheiden. Deshalb hat der BUND Region Hannover alle OB-Kandidat*innen mit elf Forderungen zum Natur- und Umweltschutz konfrontiert und um eine Positionierung gebeten: Wer stimmt dieser Forderung zu, wer nicht, wer ist unentschieden? Fragen wie Antworten sollen ein aussagekräftiges Schlaglicht auf für den BUND wichtige und aktuelle Handlungsfelder werfen und ein klares Signal an die Wählerinnen und Wähler senden: Wofür steht dieser Kandidat/diese Kandidatin?
In einer Tabelle dargestellt und farblich gegliedert, sind die Positionen leicht vergleichbar und bieten eine erste Orientierung im Wahlkampf-Dschungel. Nicht nur den rund 5.000 BUND-Mitgliedern in der Landeshauptstadt Hannover möchten wir damit eine Entscheidungshilfe an die Hand geben – der BUND-OB-Check ist für alle Bürgerinnen und Bürger der Landeshauptstadt von Interesse, denen Themen wie Naturschutz, Klimaschutz, Verkehrswende oder städtische Grünflächen am Herzen liegen.
Die gute Nachricht vorab: Neun Kandidat*innen haben mitgemacht, und das trotz des Frage­formats, das mit seinen Ja-/Nein-Antworten keinen Spielraum für eigene Darstellungs­wünsche und differenzierte Argumentationen ließ. Nicht auch zuletzt deshalb, weil wir die Möglichkeit eingeräumt haben, bei Bedarf in wenigen Sätzen einen Standpunkt näher zu erläutern (s. durchnummerierte Sternchen in der Tabelle und die Anmerkungen im Fragenkatalog). Diese Bereitschaft zur Kooperation verdient unsere Anerkennung! Denn klar ist auch, dass sich mit jedem der hier angesprochenen Themenfelder Seiten füllen ließen. Dass wir mit diesem Test nicht das gesamte umweltpolitische Spektrum für die Landeshaupt­stadt abdecken können, versteht sich ebenfalls von selbst.
Auf den ersten Blick fällt auf, dass bei den meisten Kandidat*innen, denen man nur geringe Chancen für einen Wahlerfolg prognostiziert, die Entscheidungsfreude groß ist und auch die Forderungen des BUND weitgehend auf Zustimmung stoßen (grüne Kästchen). Differenzierter sieht das Bild bei den potenziellen Favoriten aus, die SPD, CDU und GRÜNE ins Rennen geschickt haben. Hier tauchen neben Ablehnung (rote Kästchen) auch verstärkt „Unentschieden“- Voten (graue Kästchen) auf. Eine Ausnahme macht der grüne Kandidat Belit Onay, der bis auf ein „Unentschieden“ alle Forderungen des BUND unterstützt. Vergleicht man die Entscheidungen von Marc Hansmann, der für die SPD ins Rathaus ziehen möchte, mit denen von Eckhard Scholz, der als Parteiloser für die CDU antritt, so würde erster nur drei unserer Wünsche erfüllen, letzterer fünf. Herr Hansmann legt sich bei sechs Thesen nicht fest, Herr Scholz bei vier. Warum das so ist, erklären die Befragten in ihren Anmerkungen, nachzulesen im Fragenkatalog.

Nur ein Anliegen wird von allen Kandidat*innen gleichermaßen befürwortet: Die BUND-Forderung 9 nach einem effizienteren Umgang mit dem Regenwasser – sicher auch eine allgemeine Erkenntnis aus zwei Hitzesommern in Folge. Hier sollte sich also tatsächlich etwas ändern, egal, wer am Ende als Oberbürgermeister*in ins Rathaus einziehen wird.

Massive Baumfällungen mitten in der Brutzeit BUND kritisiert Holzeinschlag in Ricklinger Auewäldchen

Hannover, den 19.04.2019. Im Ricklinger Auewäldchen an der Ihme, zwischen Ricklinger Bad und Südschnellweg, hat in den vergangenen Tagen ein großer Holzeinschlag stattgefunden. Etwa hundert alte Bäume liegen hier am Waldweg in dem rund sechs Hektar großen Wäldchen, das sich im Privatbesitz befindet. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist entsetzt über die Rücksichtslosigkeit, mit der hier im Landschaftsschutzgebiet und beliebten Erholungsraum vorgegangen wird. „Eine derart massive Beseitigung von alten Bäumen bedeutet eine extreme Entwertung dieses geschützten Stücks Natur“, kritisiert Vorstandsmitglied Georg Wilhelm. „Und das mitten in der Brutzeit und zur Zeit der Frühblüher.“
Baumfällungen in der Brutzeit bedeuten in aller Regel, dass massenhaft Vogelgelege zerstört und Jungvögel getötet werden. Im Bundesnaturschutzgesetz werden deshalb Fällungen und Rückschnitte von Bäumen und Sträuchern außerhalb des Waldes in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September verboten. Wilhelm: „Innerhalb des Waldes hingegen vertraut der Gesetzgeber auf das Verantwortungsbewusstsein der Waldbesitzer und Förster. Daran fehlt es in diesem Fall aber offensichtlich.“
Der BUND setzt sich dafür ein, dass in Gesetzen und Schutzgebietsverordnungen auch im Wald Holzernte in der Brutzeit generell verboten wird. Zu einer solchen Vorgabe sind aber Umwelt- und Landwirtschaftsministerium in Niedersachsen bisher nicht bereit.

Schluss mit „Geheimsache Baumfällung“!

Hannover, 22.03.2019. Angesichts der jüngsten Ereignisse an der Sophienschule im Zooviertel fordert der BUND die volle Transparenz bei anstehenden Baumfällungen. Ohne die Anwohner direkt zu informieren, wurde dort fast der gesamte Baumbestand radikal entfernt. „So geht es nicht!“ kritisiert Gerd Wach, Vorsitzender des BUND Region Hannover, die Vorgehensweise der Stadt. „Jeder muss sich rechtzeitig informieren können und im Idealfall Bescheid wissen, wenn eine städtische Planung Baumfällungen im näheren Umfeld vorsieht.“ Gleiches gelte für den Rat der Landeshauptstadt: Auch ihm müssen konkrete Informationen vorgelegt werden, aus denen klar hervorgeht, welche Folgen seine Beschlüsse für Baumbestände haben, so der BUND.
Über 80 Bäume und zahlreiche Großsträucher wurden im Vorfeld der geplanten Erweiterung der Sophienschule in den letzten Tagen des Februars ohne Vorwarnung gefällt oder niedergemacht. Ein Schock für viele Anwohner*innen, die hilflos zusehen mussten, wie ihre vertraute Umgebung sich plötzlich radikal veränderte. Dabei hatte die Stadt noch am 29. Januar zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, bei der es aber ausschließlich um die Lärm- und Verkehrsbelastungen durch den geplanten Neubau der Sophienschule ging. Dass dadurch aber auch fast alle Bäume auf dem Schulgelände zur Disposition standen, wurde an dem Abend nicht thematisiert.
Als der BUND später von Anwohnerinnen erfuhr, dass viele Bäume mit einer Markierung versehen waren, ergab ein Anruf bei der zuständigen Stadtverwaltung, dass wohl geplant sei, diese im Rahmen von Baumaßnahmen zu entnehmen. Eine Fällgenehmigung entsprechend der Baumschutzsatzung sei aber noch nicht erteilt, so die zunächst beruhigende Auskunft vom Team Baumschutz der Landeshauptstadt. Daher bestand auch für den BUND noch Hoffnung, dass Bäume wie etwa die imposante und beliebte „Kaukasische Flügelnuss“ auf dem Schulhof mindestens für diesen Sommer noch erhalten werden können, um in Ruhe zu prüfen, welche Fällungen wirklich unvermeidlich sind. Weiterlesen...
 



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